Exaktes Portrait der Erde

Scharfer Satellitenblick auf Wälder, Anbaugebiete und Gletscher

Agrarflächen der Erde
Agrarflächen der Erde

Ispra (Italien) - Wüsten wachsen, Regenwälder schrumpfen, Anbaugebiete wandeln sich: Solche Veränderungen der globalen Landnutzung offenbart das bisher genaueste Portrait der Erde. Zehnmal genauer als zuvor können Wissenschaftler jetzt Ackerflächen und die Folgen des Klimawandels analysieren. Möglich wird die mit Aufnahmen des ESA-Satelliten Envisat, die im Rahmen des GlobCover-Projektes zu einem frei verfügbaren Datensatz zusammengefasst wurden.

"Das GlobCover Produkt ist viel mehr als eine Karte", betont Pierre Defouny von der Katholischen Universität im belgischen Löwen. Im Unterschied zu den hochaufgelösten Bildern, die beispielsweise in Google-Earth gesammelt werden, zeigen die Envisat-Aufnahmen detailliert die landwirtschaftlichen Flächen und ihre aktuelle Nutzung. Mit einer Auflösung von 300 Metern bietet der aktuelle Datensatz einen zehnfach genaueren Blick auf die Erdoberfläche.

In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und zahlreichen weiteren Organisationen und Geowissenschaftlern entstand GlobCover maßgeblich am europäischen Forschungszentrum Ispra in Italien. "Das GlobCover-System ist ein großer Schritt vorwärts bei der automatisierten Erdabbildung mit einer feinere Auflösung als jemals zuvor", sagt Frédéric Achard vom Joint Research Centre (JRC), das von der EU unterhalten wird.

Insgesamt umfasst das Projekt eine Bildersammlung von rund 20 Terabyte Daten. Das entspricht dem Inhalt von etwa 20 Millionen Büchern. Aufgenommen wurden die Erdansichten zwischen Mai 2005 und April 2006 von dem Medium Resolution Imaging Spectrometer (MERIS) an Bord des Erdbeobachtungssatelliten Envisat. MERIS registriert das von der Erdoberfläche reflektierte Sonnenlicht in insgesamt 15 Spektralbändern vom sichtbaren Bereich bis hin zur Wärmestrahlung auf. Erst diese Kombination ermöglicht es, aus den Aufnahmen auf die aktuelle Landnutzung, das Algenwachstum in den Ozeanen und Wolkenbildung zurück zu schließen.