Doch weniger Wirbelstürme durch Klimawandel?

Neue Computermodelle zeigen, dass in diesem Jahrhundert nicht mehr, sondern weniger Hurrikane, Taifune und Zyklone zu erwarten sind.

Hurrikane [M]
Hurrikane [M]

Princeton (USA) - Verursacht der globale Klimawandel mehr oder weniger tropische Wirbelstürme? Die widersprüchlichen Aussagen von Klimaforschern zeigen, wie komplex das Zusammenspiel zwischen Wassertemperatur der Ozeane und Vorgängen in der Atmosphäre ist. Nun kamen Wissenschaftler vom National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in Princeton mit aufwändigen Computermodellen zu dem Schluss, dass sich in diesem Jahrhundert weniger Hurrikane, Taifune und Zyklone bilden werden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachblatt "Nature Geoscience".

"Unsere Resultate unterstützen nicht die Annahme, dass die Frequenz tropischer Wirbelstürme oder Hurrikane durch einen Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre zunehmen wird", schreiben Tom Knutson und seine Kollegen vom Geophysical Fluid Dynamics Laboratory der NOAA. Obwohl sich die Ozeane bis zum Jahr 2100 um ein bis drei Grad erwärmen könnten, sei mit einem Rückgang der Wirbelstürme im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren zu rechnen. Allerdings erwarten sie eine deutliche Zunahme der Niederschlagsmengen, die die zerstörerischen Wetterphänomene begleiten.

Für diese Aussage spricht, dass das Team um Knutson das Wechselspiel zwischen Wassertemperatur und Verteilung der Winde mit einer großen regionalen Genauigkeit simulierten. Vor kurzem kamen allerdings Mark Saunders und Adam Lea vom University College London zu einem anderen Ergebnis. Sie untersuchten die Hurrikane, die zwischen 1950 und 2005 über dem Golf von Mexiko gewütet hatten. Ihr Modell zeigte deutlich, dass ein Anstieg der Temperatur an der Oberfläche des Atlantiks von nur einem halben Grad die Hurrikan-Aktivität um 40 Prozent verstärkte. Dadurch erkläre sich die Vielzahl heftiger Wirbelstürme in den 1990er Jahren, so die Forscher, da in diesem Zeitraum die Meerestemperatur nach einer Kältephase wieder anstieg. In den 1970er und 1980er Jahren dagegen gab es relativ wenige Hurrikane, aber auch die Wassertemperaturen lagen in diesem Zeitraum etwa ein Grad niedriger.

Wie schwierig es jedoch ist, Hurrikan-Aktivität mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen, zeigt eine schwedische Studie aus dem letzten Jahr. "Die Phase verstärkter Hurrikan-Aktivität seit 1995 ist nicht ungewöhnlich, verglichen mit früheren Perioden mit starken Wirbelstürmen", berichteten Johan Nyberg und seine Kollegen vom Geological Survey in Uppsala mit Beteiligung amerikanischer und puertoricanischer Wissenschaftler. Die starken Wirbelstürme der letzten Jahre könnten nur schwerlich mit der anthropogenen Erderwärmung in Zusammenhang gebracht werden. Wie sie damals in der Zeitschrift "Nature" berichteten, handelte es sich wahrscheinlich um normale Wetterereignisse nach einer Phase ungewöhnlich schwacher Hurrikane. Im Gegenteil scheinen nach ihrer Meinung die Hurrikane Zeichen für eine Rückkehr zu einer normalen Aktivität darzustellen. Für diese Aussage untersuchten die Forscher die atlantischen Wirbelstürme seit 1730.

All diese widersprüchlichen Berechnungen scheinen im Augenblick nur einen Schluss zuzulassen: Die Bildung der tropischen Wirbelstürme ist immer noch nicht komplett verstanden und verlangen nach weiteren Studien, Messkampagnen und ausgefeilteren Klimamodellen.