Warum die Erde leise brummt

Unhörbar für den Menschen, dessen Ohr diese Frequenzen nicht wahrnimmt, brummt der Erdball leise vor sich hin. Seit rund einem Jahrzehnt streiten Experten, was diese langsamen Vibrationen verursachen könnte -- die Argumente reichen von Erdbeben bis Windeffekten.

Erde aus dem All
Erde aus dem All

Palisades (USA) - Jetzt erklärt ein US-Forscher im Fachblatt "Nature", dass Wellen am Meeresgrund zum Brummen führen. Messungen von Erdschwingung und Wellenaktivität stützen seine Theorie. "Es sind einander beeinflussende Meereswellen über den flachen Kontinentalsockeln, die das Brummen der Erde verursachen", schreibt Spahr Webb, Geophysiker an der Columbia University. Demnach führen sehr langsam wandernde Meereswellen zu seismischen Schwingungen der Erdkruste, mit Frequenzen zwischen einem und 10 Millihertz (mHz). Um 2004 hatte sich herauskristallisiert, dass das Brummen im Infraschallbereich vor allem von den Ozeanen ausgeht. Daraufhin hatte Webb Daten von Ozeanwellen und seismischer Aktivität abgeglichen. Er zeigt, dass zwei oder mehr so genannte Infragravity-Wellen aufeinanderstoßen und dabei Druckwellen erzeugen, die die natürlichen Vibrationsfrequenzen der Erdkruste treffen können. Die Daten zeigen, dass Aktivitäten beider Wellenarten oft zusammentreffen.

Infragravity-Wellen entstehen, wenn die normalen Oberflächenwellen, die der Wind erzeugt, auf die Küste treffen. Während Oberflächenwellen Schwingungsfrequenzen von mehr als 40 Hertz haben, schwingen die Infragravity-Wellen mit einem bis 40 mHz und deutlich kleineren Schwingungsamplituden. Am häufigsten sind diese Wellen im Flachwasser rund um die Kontinente, über dem Kontinentalsockel der Erdkruste. Entsprechend entsteht hier laut Webb auch das leise Brummen der Erde.