Steigende Meeresspiegel durch schmelzende Gletscher

Bis Ende des Jahrhunderts sind sie für 60 Prozent des Anstiegs verantwortlich

Boulder (USA) - Überall auf der Welt zeigt sich das gleiche Bild: Von den Anden über die Alpen bis nach Alaska schrumpfen die Gletscher in rasanter Geschwindigkeit. Zusammen mit dem Schmelzen kleinerer Eisfelder werden sie den Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts stärker ansteigen lassen als das rückgehende Festlandeis auf Grönland und in der Antarktis. Wie amerikanische Klimaforscher in einer Vorabveröffentlichung der Zeitschrift "Science" berichten, sei allein dadurch mit einem um 10 bis 25 Zentimeter höheren Meeresspiegel zu rechnen.

"Unsere Vorhersagen zeigen, dass der Meeresspiegelanstieg größer sein wird als bisher angenommen", schreiben Robert Anderson und seine Kollegen von der University of Colorado in Boulder. Damit korrigieren sie bisherige Abschätzungen, die sich in erster Linie auf Grönland und die Antarktis konzentriert hatten. Doch bis 2100 sollen diese schmelzenden Eisschilde nur zu etwa 40 Prozent für den steigenden Meeresspiegel verantwortlich sein, Gletscher für den Löwenanteil von 60 Prozent.

Diese Schätzungen, die zusammen mit russischen und schwedischen Klimaforschern entstanden sind, basieren auf zahlreichen Daten, die mit Satelliten, Aufklärungsflugzeugen und auf den Gletschern selbst gewonnen werden konnten. Bei einer durchschnittlichen Gletscherdicke von etwa 300 Metern verdünnen sich diese jedes Jahr um rund einen halben Meter. Allein der Columbia-Gletscher im Nordwesten des amerikanischen Kontinents liefert so alljährlich rund acht Milliarden Kubikmeter Schmelzwasser.