Globale Erwärmung lässt Erde (vielleicht) schneller rotieren

Die Rotation der Erde könnte sich durch die globale Erwärmung beschleunigen, dieser Ansicht sind Klimaforscher aus Hamburg.

Hamburg - Demnach verkürzt sich die Tageslänge im Verlauf der nächsten 200 Jahre um 0,12 Millisekunden, weil sich das Wasser der Ozeane durch die Erwärmung ausdehnt. Die Wissenschaftler berichten im Fachblatt "Journal of Geophysical Research Letters" über die Ergebnisse von Computersimulationen, mit denen sie die Folgen dieser Expansion des Wassers untersucht haben.

Wie die Simulationen des Teams vom Max-Planck-Institut für Meteorologie unter der Leitung von Felix Landerer zeigen, kommt es zu einer massiven Umverteilung des Wassers: Durch die ungleichmäßige Erwärmung einerseits und die ungleiche Verteilung der Landmassen auf der Erde andererseits strömt Wasser aus den Äquatorregionen in die polaren Regionen. Landerer vergleicht die Folgen damit, wie eine Eiskunstläuferin eine Pirouette dreht: "Wenn sie die Arme anzieht, beschleunigt sich ihre Rotation." Genauso sei es bei der Erde: Wenn Masse vom Äquator zu den Polen wandert, also näher an die Rotationsachse des Planeten heran, beschleunigt sich die Rotation.

Andere Klimaforscher zweifeln allerdings am Ergebnis der Hamburger Forscher. Insbesondere das Abschmelzen der Eiskappen könne zu einer Umverteilung in die umgekehrte Richtung sorgen, kommentiert etwa der amerikanische Klimaforscher Rui Ponte in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature". Zudem gäbe es eine Vielzahl anderer Effekte, die die Erdrotation in der gleichen Größenordnung beeinflussen -- von Wechselwirkungen zwischen Erdkern und Erdmantel bis hin zur Anziehungskraft des Mondes.