Doch keine Kühlung: Dunkle Abgaswolken heizen Atmosphäre auf

Nicht nur in den Alpen, auch im Himalaya schmelzen die Gletscher dahin. Die Ursache liegt in der Aufheizung der Atmosphäre um etwa ein Viertel Grad pro Jahrzehnt.

La Jolla (USA) - Nicht nur das Klimagas Kohlendioxid sei laut amerikanischer Klimaforscher dafür verantwortlich, sondern auch die rußreichen Abgase aus Haushalten, Verkehr und Kraftwerken ohne Filter. Damit werfen sie bisher gültige Theorien zur Erderwärmung über den Haufen, da diese von einem kühlenden Effekt der dunklen Abgaswolken ausgegangen sind.

"Wir fanden heraus, dass die dunklen Wolken etwa zu 50 Prozent zur solaren Aufheizung der unteren Atmosphäre beitragen", schreiben Veerabhadran Ramanathan und seine Kollegen in der Zeitschrift "Nature". Die Forscher von der University of California in La Jolla untersuchten dazu die Wechselwirkung zwischen Schwebeteilchen (Aerosolen) und Sonnenstrahlen in Luftschichten zwischen 500 und 3000 Metern Höhe. Mit drei unbemannten Messflugzeugen analysierten sie auf 18 Flügen über dem Indischen Ozean den Einfluss der Aerosole, darunter vor allem Ruß, auf die Erwärmung dieser Schichten.

Gingen Klimaforscher bisher davon aus, dass die dunkeln Abgaswolken die wärmenden Sonnenstrahlen wieder in den Weltraum zurück reflektierten und damit insgesamt zu einer Kühlung der Atmosphäre führten, scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Der direkte Vergleich zwischen einem wolkenfreien und einem mit dunklen Abgaswolken bedeckten Himmel lässt deutliche Schlüsse auf den wärmenden Einfluss der so genannten "atmosphärischen dunklen Wolken" zu. Messungen mit dem Klimasatelliten Calipso unterstützten die Ergebnisse der Messflüge.

Diese Messungen erweitern die Kenntnisse der Klimaforscher um einen wichtigen Punkt. Denn bisher konzentrierten sie sich auf Wärmemessungen oberhalb aller Wolken. Nun zeigt sich jedoch, dass auch die Vorgänge in tieferen Luftschichten unter 3000 Metern komplexer sind als erwartet und für ein genaueres Verständnis der Prozesse der globalen Erwärmung berücksichtigt werden müssen.

Auch in Deutschland werden sich Klimaforscher bewusst, dass Aerosole in den unteren Luftschichten noch zu wenig verstanden sind. So beendete Andreas Wahner vom Forschungszentrum Jülich gerade erst eine Messkampagne, bei der mit einem "Zeppelin NT" fast zwei Wochen lang die Luftschichten und Aerosole im Raum Karlsruhe genauer untersucht wurden.