Der Yellowstone-Supervulkan regt sich

Bricht er aus, könnte er ganze Erdteile verwüsten. Noch schlummert der Supervulkan unter dem Yellowstone-Nationalpark im US-Staat Wyoming.

Der Yellowstone-Supervulkan
Der Yellowstone-Supervulkan

Salt Lake City (USA) - Doch seine Unruhe nimmt zu, berichten nun Geowissenschaftler von der University of Utah in Salt Lake City. In den letzten drei Jahren hat sich der Boden über der gewaltigen Magmakammer, die doppelt so groß ist wie das Saarland, um über 20 Zentimeter gehoben. Dreimal schneller als in den ganzen 80 Jahren davor.

"Der letzte von insgesamt drei großen Ausbrüchen ereignete sich vor 640.000 Jahren", schreiben Wu-Lung Chang und seine Kollegen in der Zeitschrift "Science". Zwischen den Ausbrüchen vergingen immer etwa 700.000 Jahre. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es – in geologischen Zeiträumen gemessen – schon bald wieder so weit sein wird. Grund genug für die Vulkanologen, mit Satelliten und Bodensensoren das Yellowstone-Gebiet gründlich zu beobachten.

Heute verrät sich der Vulkan nicht durch einen typischen Krater. Dieser wurde durch die immense Gewalt beim letzten Ausbruch zerstört, brach ein und bildete eine 40 mal 60 Kilometer große so genannte Caldera. Bei einem erneuten Ausbruch würden bis zu 1000 Kubikkilometer Lava, Gestein, Staub, Wasser und Gase in die Atmosphäre geschleudert werden. Über 50 mal mehr als bei der Eruption des Pinatubos auf der Phillipinen-Insel Luzon im Jahre 1991. Glutlawinen aus Lava und Asche würden eine Fläche fast von der Größe Sachsens unter sich begraben. Eine knöcheltiefe Ascheschicht könnte den gesamten Westen der USA abdecken und Ernten vernichten. Über Jahre wäre die Sonne rund um den Globus hinter einem Staubschleier versteckt. Dadurch könnten die Durchschnittstemperaturen um vier bis zehn Grad fallen. Diese gravierenden Auswirkungen auf das Erdklima kämen einer kleinen Eiszeit gleich.

"Aber es gibt keinen direkten Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende vulkanische Eruption", sagt Seismologe Robert B. Smith, einer der Autoren der aktuellen Studie. Doch die Höhenmessungen mit dem europäischen Satelliten Envisat und einem Netzwerk aus GPS-Sonden im Yellowstone-Gebiet belegen, dass sich die gigantische Magmakammer offensichtlich mit geschmolzenem Gestein füllt. Dieses stammt wahrscheinlich aus einem gigantischen Reservoir in 700 bis 1000 Kilometer Tiefe. Durch einen etwa 100 Kilometer breiten Schlot, einem so genannten Plume, steigt das Magma auf und füllt die Kammer, die sich nur acht bis 15 Kilometer unter der Oberfläche erstreckt. In dieser mischen sich festes und flüssiges Gestein.

Abgesehen vom derzeitigen Tempo ist die Hebung des Bodens im Yellowstone-Nationalpark nichts ungewöhnliches. Es gibt sogar Phasen, in denen sich die Erdoberfläche wieder absenkt. "Eine ganze Anzahl von Calderen bewegen sich weltweit über Jahrzehnte auf und ab, ohne dass es zu einem Ausbruch kommt", sagt Smith. Diese finden sich bevorzugt rund um den Pazifik wie der Tobasee in Indonesien und der Tauposee in Neuseeland.

Sogar in Europa haben Vulkanologen zwei Supervulkan-Kandidaten ausgemacht. Der eine erstreckt sich über die Phlegräische Felder in der Nähe von Neapel. Zuletzt brach er vor etwa 35000 Jahren aus und spie dabei bis zu 150 Kubikkilometer flüssiges Gestein aus. Etwas größer schätzen die Geowissenschaftler den Feuerberg von Thera, der heutigen Kykladen-Insel Santorin ein. Seinen letzten Ausbruch erlebte er vermutlich im Jahre 1628 vor Christus. Seine Caldera bildet heute einen riesiger Kessel mit steil aufragenden Felswänden. Und viele Historiker sind davon überzeugt, dass dieser Ausbruch zum Untergang der minoischen Hochkultur, dessen Zentrum in Knossos auf Kreta lag, führte.

Obwohl die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch eines Supervulkans sehr gering ist, drängt die Geological Society of London in einem Gutachten aus dem Jahre 2005, die Gefahr nicht zu unterschätzen. "Eine Supereruption ist der "biggest bang", der weltweit möglich ist", sagt Bill McGuire vom Benfield Greig Hazard Research Centre an der University of London. So sollten die Geowissenschaftler zumindest ein internationales Netzwerk aufbauen, um die Vulkanaktivitäten auch in Europa besser zu überwachen.