Wie, bitte, wird man Einstein?

Hohe Begabung ist eine wichtige Voraussetzung, um ein hervorragender Mathematiker, Physiker oder Informatiker zu werden. Aber es müssen noch zwei andere Voraussetzungen hinzukommen: ein gutes Bildungssystem und persönlicher Arbeitseifer.

Nashville (USA) - Zu diesem Schluss kommt jetzt eine amerikanische Studie, die eine Langzeitstudie zur Entwicklung von Hochbegabten auswertet. Die Studie ist soeben in der Zeitschrift "Perspectives on Psychological Science" erschienen.

Im Jahr 1971 wurde eine Langzeitstudie begonnen, in der Menschen mit besonderer mathematischer Begabung ab dem Kindesalter 50 Jahre beobachtet werden sollten. Jetzt, nach 35 Jahren, wurde eine erste Zwischenbilanz gezogen. Dabei stellten Camilla Benbow und David Lubinski von der Vanderbilt University fest, dass Begabung zwar das Wichtigste ist, aber auch das Drumherum nicht übersehen werden darf. So kann ein hervorragend durchdachtes und ausgestattetes Bildungswesen aus begabten Menschen noch mehr "herausholen". Außerdem muss beim Einzelnen zur Begabung auch noch der Fleiß kommen. Den Daten der 5000 Studienteilnehmer entnahmen die Wissenschaftler, dass die Mehrheit der Begabtesten bereit war, über 65 Stunden pro Woche zu arbeiten.

Außerdem räumten die Forscher mit der weitverbreiteten Annahme auf, dass es in der Hochbegabung nur noch marginale Unterschiede zwischen den Begabungen für einzelne Gebiete gebe. Auch zwischen den als mathematisch sehr begabten Studienteilnehmern gab es noch erhebliche Unterschiede, was ihre sonstigen Talente und Interessen anging. Nicht jeder, der mathematisch sehr begabt ist, hat auch die Neigung, beruflich etwas mit Mathematik zu machen. So kann jemand etwa in sprachlicher Hinsicht ein noch viel größeres Talent sein. Daher kommt es auch, dass sich auch bei den Hochbegabten wieder die alte Geschlechtertrennung zeigt: Frauen bevorzugen "organische" Fächer wie Sozialwissenschaften, Biologie und Medizin, während Männer eher den "anorganischen" Fächern wie Physik und Ingenieurwissenschaften zuneigen. "Zieht man aber den immer weiter wachsenden Bedarf an Fähigkeiten des wissenschaftlichen Argumentierens und Quantifizierens in modernen Kulturen in Betracht", so schreiben die beiden Forscher, "dann sollte eine Karriere außerhalb der Physik und der Ingenieurwissenschaften ebenfalls als Beitrag zur Gesellschaft angesehen werden und nicht etwa als eine Vergeudung von Talent."