Sommer in Süddeutschland werden um bis zu fünf Grad wärmer

Hitzesommer wie 2003 oder der Rekordjuli dieses Jahres könnten zum Ende dieses Jahrhunderts keine Ausnahmen, sondern die Regel werden. Denn die Sommer in Europa werden sich in den nächsten Jahrzehnten deutlich verändern.

Zürich (Schweiz) - Neue Klimasimulationen von Schweizer Forschern zeigen, dass gegen Ende dieses Jahrhunderts extreme Hitzewellen nichts Ungewöhnliches mehr sein werden. Die Zunahme der Klimaschwankungen führt dazu, dass Extremereignisse deutlich wahrscheinlicher werden als bisher.

Schweizer Klimaforscher von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETHZ) entschlüsselten nun einen ersten Mechanismus, durch den die Sommermonate in Mitteleuropa infolge des Treibhauseffektes wärmer werden. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Zunahme der Sommertemperaturen und deren Schwankungen hauptsächlich im Zusammenspiel zwischen Landfläche und Atmosphäre begründet sind", berichten sie in der Zeitschrift "Nature". Im Klartext: Je wärmer und sonniger es ist, desto trockener werden die Böden. Und aus trockenen Böden kann kein Wasser mehr verdunsten. Doch bei einer Verdunstung wird der Umgebung Wärme entzogen, sie wird also gekühlt. Dieser Effekt fällt weg und bodennahe Luftschichten heizen sich immer mehr auf. Parallel gelangt ohne Verdunstung keine Feuchtigkeit in die Atmosphäre, Wolken, Regen und Gewitter bleiben aus. Lange Sonnenperioden könnten so selbst dafür sorgen, dass es noch länger warm und sonnig bleibt.

Gerade über den ausgedehnten Landflächen Mittel- und Osteuropas kann sich diese Erwärmung durch trockene Böden besonders stark auswirken. In Südeuropa hingegen spielt es eine geringere Rolle, da das angrenzende Mittelmeer kaum in nächster Zeit austrocknen wird.

Konkret sieht das Szenario für Österreich und Süddeutschland zum Ende dieses Jahrhunderts einen Anstieg der mittleren Sommertemperaturen um vier bis fünf Grad voraus. Zugleich werden dann diese Temperaturen mit bis zu zwei Grad doppelt so stark schwanken wie im Vergleichszeitraum 1970 bis 1989. Sommer werden insgesamt also wärmer, aber auch kühle Ausreißer werden möglich sein.

Im Vergleich zu globalen Klimamodellen werden auch berechnete Szenarien immer genauer. Teilten ältere Simulationen den europäischen Kontinent in ein grobmaschiges Gitter mit 100 bis 400 Kilometer Maschenweite auf, knüpfen die Schweizer Forscher ihr Datennetz mit 56 Kilometer deutlich enger. Möglich wird dies durch die stetig steigende Rechenleistung der Supercomputer für die Klimaforschung. "Und in Zukunft könnten öfter die regionalen Klimamodelle auch mit einer Auflösung von einem bis zehn Kilometern berechnet werden", sagt Sonia Seneviratne.

Inwieweit der Mensch wegen der zunehmenden Kohlendioxid-Emissionen selbst für die wärmeren Sommer mit seinen großen Auswirkungen auf Bevölkerung und Wirtschaft verantwortlich ist, kann diese Studie nicht beantworten. Doch britische Forscher um Myles Allen bezifferte den Anteil des Menschen am Hitzesommer 2003 auf über 50 Prozent. Das war die erste Studie überhaupt, die den anthropogenen Anteil für ein konkretes Klimaereignis quantitativ bestimmte. Seitdem nahmen die Klimavorhersagen mit einer großen, regionalen Auflösung stetig zu. Mit der Qualität dieser Studien wird auch der Druck auf die Haupterzeuger von Treibhausgasen zunehmen. "Verbesserte Studien von der Art der britischen Kollegen könnten möglicherweise eine Grundlage für Haftungsklagen bilden", schaut der Zürcher Institutsleiter Christoph Schär in die Zukunft.