Rasant schmelzende Gletscher: Sind die Alpen in 100 Jahren eisfrei?

Seit 1850 bis heute sind die Alpengletscher schon um etwa die Hälfte geschrumpft. Ganz eisfrei könnte der europäische Gebirgszug bereits am Ende dieses Jahrhunderts sein.

Zürich (Schweiz) - Nach Klimasimulationen von Schweizer Forschern, die sie in der Zeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlichen, genüge dazu ein Anstieg der mittleren Sommertemperaturen um fünf Grad.

"Unsere Studie zeigt, dass unter solchen Szenarien die Mehrheit der Alpengletscher in den nächsten Jahrzehnten verschwinden könnte", sagt Michael Zemp von der Universität Zürich. Und auch bei einem Anstieg der Sommertemperatur von mehr als drei Grad würden nur die größten Gletscher und jene in den höchsten Regionen der Alpen bis ins 22. Jahrhundert bestehen bleiben. Bei dieser Vorhersage handelt es sich um das Schreckensszenario von pessimistischen Klimaforschern. Denn ein Anstieg der Sommertemperatur von ein bis fünf Grad und einer Niederschlagsänderung von -20 bis +30 Prozent für das Ende des 21. Jahrhunderts ist gemäß dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in Folge der Erderwärmung durch den Treibhauseffekt durchaus realistisch.

Die Auswirkungen auf den Skitourismus und die Wasserversorgung in den Alpenregionen wären verheerend. "Gerade in den dicht besiedelten Gebirgsregionen wie den Europäischen Alpen müsste man sich deshalb Gedanken machen zu den Folgen eines extremen Gletscherschwundes auf den hydrologischen Kreislauf, auf die Wasserwirtschaft, den Tourismus und Naturgefahren", so der Glaziologe Zemp.