Können Schwefelbomben in der Atmosphäre die Erderwärmung aufhalten?

Methan und Kohlendioxid führt in der Atmosphäre zum Treibhauseffekt. Schwefelanteile dagegen könnten die globale Erwärmung verlangsamen.

Mainz/San Diego (USA) - Um ihren kühlenden Effekt zu nutzen, schlägt Nobelpreisträger Paul Crutzen vom Max-Planck Institut für Chemie in Mainz und der Scripps Institution of Oceanography der University of California nun eine ungewöhnliche Maßnahme vor: Mit Ballonen könnte Schwefel in höhere Luftschichten getragen werden, um dort wärmende Sonnenstrahlung direkt wieder ins All zu reflektieren. Über dieses "Albedo-Verfahren" berichtet der Forscher in der Fachzeitschrift "Climatic Change".

"Das Albedo-Verfahren sollte keine Rechtfertigung für eine unzulängliche Klimapolitik sein, sondern lediglich die Möglichkeit bieten, eine möglicherweise drastische klimatische Erwärmung zu bekämpfen", sagt Crutzen. Zudem weist er darauf hin, dass die künstliche Anreicherung der Atmosphäre mit Schwefelpartikeln nur als Notlösung zu verstehen sei. Doch es sei nachgewiesen, dass Schwefel in Form von Sulfat-Teilchen bei der Kühlung der Erde helfen kann, indem die Teilchen die wärmenden Sonnenstrahlen zurück ins All reflektierten.

Wirksam werden die Sulfatanteile vor allem in der Stratosphäre. Dieses Kühlungs-Phänomen konnte bereits nach Vulkanausbrüchen beobachtet werden. So verwendete Crutzen den Ausbruch des Mount Pinatubo im Jahr 1991 als Modell für seine Überlegungen. Durch den Vulkanausbruch wurde Schwefel in die Stratosphäre geschleudert. Dank der verstärkten Reflexion der Sonneneinstrahlung ins Weltall durch die Sulfatpartikel verringerte sich die Temperatur auf der Erde um durchschnittlich ein halbes Grad im Jahr nach der Eruption.

In Crutzens Experiment sollen Ballone Schwefel in die Stratosphäre transportieren. Dort angelangt werden diese mit Hilfe von Kanonen zum Platzen gebracht und der Schwefel in der gewünschten Höhe freigesetzt. Im Gegensatz zu den sich langsam entwickelnden Auswirkungen der globalen Erwärmung aufgrund der anthropogenen Kohlendioxidemissionen, könnte das Albedo-Verfahren theoretisch innerhalb von sechs Monaten Wirkung zeigen. Die reflektierenden Partikel könnten bis zu zwei Jahre in der Stratosphäre verbleiben. Mögliche Nebenerscheinungen wie beispielsweise die Bildung von Schwefelsäure und darauf folgenden "Sauren Regen" müssen jedoch in die Diskussion mit einfließen.