Warme Jahre sind menschengemacht

Aus rein natürlichen Schwankungen wäre die Häufung von warmen Jahren seit 1990 statistisch unmöglich. Wissenschaftler des GKSS-Forschungszentrums berechneten, dass die Wahrscheinlichkeit für ein natürliches Auftreten dieses Phänomens bei weniger als einem Zehntausendstel liegt.

Klimadiagramm auf der Basis der Monatsdaten des Hadley Centre
Klimadiagramm auf der Basis der Monatsdaten des Hadley Centre

Geesthacht, Bern (Schweiz) - Die 13 wärmsten Jahre nach 1880 haben alle nach 1990 stattgefunden. Den Geophysikern Eduardo Zorita und Hans von Storch zufolge ist die Zufallswahrscheinlichkeit dafür weniger als 1:10000. Vergleichen ließe sich das damit, dass beim Werfen einer Münze "14 mal hintereinander nur Kopf oder nur Zahl fallen."

Das ergäbe eine Wahrscheinlichkeit von 1:16384. Die Diskrepanz kommt daher, dass sich das Klima nicht wie eine Münze verhält, sondern träge reagiert. Nach warmen Jahren kommen tendenziell eher wieder warme Jahre, da die Ozeane Wärmeenergie recht lange speichern können.

Die Wissenschaftler des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht haben deshalb zusammen mit Thomas Stocker von der Uni Bern eine so genannte Monto-Carlo-Simulation benutzt. Dabei werden nicht genau bekannte Ausgangsgrößen nicht einfach geschätzt, sondern zum Beispiel als normalverteilte Zufallsgröße in die Berechnung einbezogen. Alle Folgeberechnungen, die sich daraus ergeben, werden dann miteinander verglichen: Manchmal kann man einen eindeutigen Trend erkennen, in anderen Fällen ist eine Entscheidung über die Entwicklung des Klimas unsicher bis gar nicht möglich. Um auf realistische Werte der Ausgangsgrößen zu kommen, benutzten die Forscher globale Klimadaten aus drei verschiedenen Datenbanken und beschränkten sich auf den Zeitraum vor 1960, denn die Jahre danach seien wahrscheinlich schon zu stark durch Einflüsse der Menschen auf das Klima geprägt.

Die Möglichkeit, dass sich die 13 wärmsten Jahre in einem Zeitraum von mehr als 100 Jahren alle nach 1990 befinden, war mit der Monte-Carlo-Berechnung eine höchst seltene Ausnahme: weniger als eine Simulation unter zehntausend ergibt dieses Phänomen, vernachlässigt man die anthropogenen Klimafaktoren. Selbst mit höchst unrealistischen Werten für die Ausgangsparameter ergab sich eine Wahrscheinlichkeit von nicht mehr als einem Hundertstel. Das Ergebnis ändert sich ebenfalls nicht wesentlich, wenn man statt der letzten 17 Jahre einen Zeitraum zwischen 10 und 20 Jahren benutzt, in dem sich die wärmsten Jahre häufen können.

"Unsere Studie ist rein statistischer Natur und kann die Zunahme der warmen Jahre nicht einzelnen Faktoren zuschreiben, steht aber in vollem Einklang mit den Ergebnissen des IPCC, dass der verstärkte Ausstoß von Treibhausgasen zu einem Großteil für die jüngste globale Erwärmung verantwortlich ist", resümiert Zorita.