Eiszeit: Feuchtigkeitstransport über Mittelamerika verstärkt Klimaänderungen

Schnelle Klimaänderungen können durch bislang unbekannte Rückkopplungseffekte ausgelöst werden. Diesen Schluss zieht -- zumindest für die letzte Eiszeit -- ein Team französischer Forscher aus Untersuchungen von Sedimentablagerungen der vergangenen 90.000 Jahre im ostäquatorialen Pazifik.

Aix-en-Provence (Frankreich) - "Wir folgern, dass Fluktuationen des Feuchtigkeitstransports über die mittelamerikanische Landbrücke auf einer Zeitskala von Jahrtausenden ein wichtiger Rückkopplungsmechanismus für abrupte Klimaänderungen sind", schreiben Guillaume Leduc und seine Kollegen von der Universitè Paul Cèzanne Aix-Marseille im Fachblatt "Nature". "Denn sie modulieren das Frischwasserbudget des Nordatlantik und beeinflussen so die Neubildung des Nordatlantischen Tiefenwassers." Das Nordatlantische Tiefenwasser gilt als stärkste Komponente der globalen thermohalinen Zirkulation, der wiederum eine Schlüsselrolle im irdischen Klimageschehen zukommt.

In der letzten Eiszeit war es keineswegs gleichmäßig kalt. Vielmehr gab es immer wieder abrupte Klimaänderungen, die so genannten Dansgaard-Oeschger- und Heinrich-Ereignisse. Bislang gibt es keine allgemein akzeptierte Erklärung für diese Klimakapriolen. Nach Ansicht von Leduc und Kollegen könnte der Feuchtigkeitstransport über die mittelamerikanische Landbrücke der gesuchte Mechanismus sein.

Um die zeitliche Variation des Feuchtigkeitstransports zu untersuchen, haben die Forscher die Salinität des oberflächennahen Wassers im ostäquatorialen Pazifik aus Sedimentablagerungen rekonstruiert. Dabei zeigten sich starke Schwankungen des Salzgehalts auf Zeitskalen von Jahrtausenden. Besonders bemerkenswert: Während der Heinrich-Ereignisse stieg die Salinität im Pazifik zwei- bis dreimal so stark an wie im Atlantik. Die Forscher sehen darin ein Indiz für eine starke Abschwächung des Feuchtigkeitstransports vom Atlantik in den Pazifik. Nimmt aber dieser Transport ab, so sinkt der Salzgehalt im äquatorialen Atlantik und damit auch in den für die Klimaentwicklung wichtigen atlantischen Strömungen.

Leduc und seine Kollegen äußern die Vermutung, dass im Nordatlantik weitere, bislang unbekannte Rückkopplungsmechanismen am Werk sein könnten. Insbesondere um rasch ablaufende Klimaänderungen zu verstehen, müssten alle derartigen Prozesse identifiziert und in den Modellen berücksichtigt werden.