Magnetische Pille bleibt an Ort und Stelle

Magnetsystem könnte in Zukunft für effektivere Aufnahme von Medikamenten sorgen, indem die Wirkstoffe an jener Stelle des Verdauungstraktes abgegeben werden, an der sie die größte Wirkung entfalten

Providence (USA) - Eine magnetische Pille könnte in Zukunft dafür sorgen, dass Wirkstoffe sicher und zuverlässig an ganz bestimmten Stellen im Magen-Darm-Trakt entlassen werden. Auf diese Weise könnte sicher gestellt werden, dass Medikamente genau dort im Verdauungstrakt vom Körper aufgenommen werden, wo sie am effektivsten in den Blutkreislauf gelangen und so ihre optimale Wirkung entfalten. Denn das System sorgt dafür, dass die Kapsel sicher dort gehalten wird, wo sie gebraucht wird. Das an Ratten bereits erfolgreich erprobte Prinzip stellen amerikanische Forscher im Fachblatt "PNAS" vor. In weiteren Studien wollen sie nicht nur tatsächlich Medikamente über das System verabreichen und deren Aufnahme vom Körper prüfen, sondern auch testen, ob sich die Methode auch für größere Tiere eignet, bevor es schließlich eine klinische Studie geben soll.

"Mit dieser Technologie kann man nun sagen, wo die Pille platziert ist, Blutproben nehmen und exakt wissen, ob die Tablette in dieser Region tatsächlich die biologische Verfügbarkeit der Medizin im Körper verstärkt", erläutert Edith Mathiowitz von der Brown University in Providence den medizinischen Nutzen der Technik. "Die wichtigste Sache dabei ist, dass die Kräfte überwacht werden können, die man auf die Pille ausübt, um Schäden am umgebenden Gewebe zu vermeiden. Wenn man nur ein klein wenig mehr Kraft anwendet als notwendig, würde die Pille zum externen Magneten gezogen werden und das ist ein Problem." Um dies richtig einschätzen zu können, hatten Mathiowitz und ihre Kollegen sorgfältige Messungen durchgeführt und ein aufwändiges computergesteuertes Magnetsystem konstruiert.

Das System besteht aus einer Kapsel, die einen winzigen Magneten enthält, und einem externen Magneten. Die Kraft zwischen den beiden Magneten kann präzise erfasst und so variiert werden, dass die Kapsel festgehalten wird. Über den Außenmagneten lässt sich die Position der Kapsel erfassen. Da die Pille undurchlässig für Röntgenstrahlung ist, waren die Forscher in der Lage, die Kapsel auf ihrem Weg durch den Verdauungstrakt der Ratte zu verfolgen. Die größte Herausforderung sei es gewesen festzustellen, welche Kräfte genau benötigt werden, um die Pille im verhältnismäßig kleinen Verdauungstrakt von Ratten zu halten und ein Gerät zu konstruieren, das die magnetischen Kräfte innerhalb dieser Reichweite bereitstellen kann. Selbst nachdem das System eine Pille für 12 Stunden in den Ratten an Ort und Stelle gehalten hatte, entstand ein Druck auf die Wand des Verdauungstraktes, der weniger als ein Sechzigstel dessen betrug, was schädigend sein könnte.