Echolot-Blatt: Tropenpflanze lockt Fledermäuse mit Schallreflektor

Schüsselförmige Struktur verstärkt Ultraschallsignal und ködert die fliegenden Bestäuber

Echolot-Blatt lockt Fledermäuse an
Echolot-Blatt lockt Fledermäuse an

Ulm/Bristol (Großbritannien) - Blumen locken Bienen und Vögel mit ihrer Farbenpracht an, um sich fortzupflanzen. Eine Tropenpflanze dagegen nutzt geschickt geformte Blätter, die als effiziente Schallreflektoren farbenblinde Fledermäuse zur Bestäubung ködern. Diese Echo-Blätter entdeckten und analysierten nun deutsche und britische Biologen. Wie kleine Schalen reflektieren die Blätter die Sonarwellen, welche die Tiere zur Navigation nutzen - so gut, dass sie deutlich schneller gefunden werden als andere Blumen. Über diese Ultraschall-Leittechnik der Natur berichten die Forscher in der Zeitschrift "Science".

"Dieses Echo-Leitsignal ist sowohl für die Pflanzen als auch die Fledermäuse von Vorteil", sagt Marc Holderied von der Universität Bristol. Zusammen mit Kollegen von der Universität Ulm untersuchte er die Echo-Blätter der Marcgravia evenia aus dem kubanischen Regenwald. Diese Pflanze aus der Ordnung der Heidekrautartigen trägt über ihren Blüten ein schüsselförmig gewölbtes Blatt. Durch seine Form kann es die von den Fledermäusen ausgesendeten Ultraschallwellen besonders gut reflektieren.

Im Labor bauten die Forscher die spezielle Blattstruktur nach und testeten, wie die künstlichen Echolot-Blätter das Verhalten von Fledermäusen beeinflussten. Im Vergleich zu anderen Blattformen konnten die Tiere die reflektierten Ultraschallwellen viel leichter wahrnehmen und so das Blatt in der Hälfte der Zeit finden. Selbst in der üppigen Vegetation eines Regenwaldes mit vielen Schall reflektierenden Blättern können die Fledermäuse auf diese Weise sehr schnell eine lohnenswerte Nahrungsquelle ausfindig machen. Umgekehrt profitiert die Tropenpflanze von den Tieren, die ihre Pollen über einen weiten Bereich verteilen.