Neues Ionenstrahl-Therapiezentrum in Heidelberg eröffnet

Die Weltweit einzigartige Anlage erweitert die Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs. Die neue, zielgenaue und schonende Bestrahlungstherapie wird hier klinisch getestet.

Vergleich von Ionenbestrahlung (links) und Photonenbestrahlung (rechts)
Vergleich von Ionenbestrahlung (links) und Photonenbestrahlung (rechts)

Heidelberg - Das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT des Universitätsklinikums Heidelberg wurde am 2. November 2009 in einem Festakt eröffnet. Damit steht erstmals in Europa eine Therapieanlage zur Verfügung, in der bösartige Tumoren sowohl mit Schwerionen als auch mit Protonen behandelt werden können. Weltweit einzigartig ist die drehbare Strahlführung für die Behandlung mit Schwerionen. Insgesamt gibt es bislang weltweit nur ca. 30 Anlagen in den USA, Japan und Europa, in denen Patienten mit Ionenstrahlen behandelt werden können. Nach Übergabe der Betriebsgenehmigung im Rahmen der Festlichkeiten am 2. November werden in den kommenden Wochen die ersten Patienten im HIT behandelt werden.

"Die Realisierung des HIT erweitert den Hochleistungsstandort Heidelberg um ein weiteres Alleinstellungsmerkmal", freute sich der Baden-Württembergische Ministerpräsident Oettinger in seinem Festvortrag.

Das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum HIT wurde seit 2004 auf dem Campus des Universitätsklinikums Heidelberg errichtet; die Gesamtkosten der rund 5.000 Quadratmeter großen Anlage betrugen 119 Millionen Euro, die jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Universitätsklinikum Heidelberg getragen werden. Im HIT sollen künftig rund 1.300 Patienten im Jahr behandelt werden. Das Universitätsklinikum Heidelberg hat Verträge mit den gesetzlichen Krankenkassen über die Behandlung abgeschlossen; die Kosten eines Bestrahlungszyklus belaufen sich auf rund 20.000 Euro.

"In den nächsten Jahren werden wir die Ionenstrahltherapie bei häufigen Tumoren wie dem Prostatakrebs, aber auch bei Tumoren im Kindesalter wissenschaftlich untersuchen", erklärte Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor des HIT und der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Die Ionenbestrahlung ist ein äußerst präzises und biologisch hochwirksames Therapieverfahren: Ionen werden über eine Beschleunigeranlage auf bis zu 75 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Durch millimetergenaue Steue-rung des Strahls wird der Tumor punktgenau getroffen und das umgebende gesunde Gewebe geschont.

Wissenschaftliche, technische und klinische Vorarbeiten für das Heidelberger HIT wurden im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes der Heidelberger Klinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie, des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung, Darmstadt, das nach wie vor technischer Partner des Universitätsklinikums Heidelberg ist, und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ) in Kooperation mit dem Forschungszentrum Rossendorf (FZR) geleistet. In einem Pilotprojekt wurden am Beschleuniger der GSI in Darmstadt seit 1992 mehr als 400 Patienten, die an schwer behandelbaren Tumoren von Knochen-, Knorpel- oder Weichteilgewebe litten, erfolgreich mit Heilungsraten von 80 Prozent behandelt.