Feuchter Ball macht Baseball-Spieler glücklicher

Feuchte Bälle fliegen beim Baseball berechenbarer -- doch aus einem anderen Grund als bisher angenommen. Nicht die leichte Zunahme an Größe und Gewicht machen den Unterschied in der Aerodynamik, sondern die rauere Oberfläche.

Boulder (USA ) - Trockene Höhenluft verändert das Flugverhalten von Baseball-Bällen. Um aber die Spielsituation im Stadion von Denver der im Rest der USA anzupassen, lagert man die Bälle seit einiger Zeit vor dem Spiel in hoher Luftfeuchtigkeit. Wie teure Zigarren nehmen die Bälle einen Teil der Feuchtigkeit auf. Tatsächlich macht sie das als Flugobjekte berechenbarer, Werfer etwa können die Flugkurve jetzt besser steuern als vorher.

"Tatsächlich zählten die Schlagmänner auf den so genannten 'Denver-Vorteil' (Coors Field advantage) für mehr erfolgreiche Schläge. Werfer hingegen fürchteten Denver, weil sie die dünne Luft für das Misslingen von Bogenwürfen und anderen typischen Werfertricks verantwortlich machten", so Edmund R. Meyer und John L. Bohn. Die Physiker von der University of Colorado, Boulder, berichten in einer Vorabveröffentlichung des Informationssystems "ArXiv.org". Denver in Colorado liegt weit höher als alle anderen Spielfelder der Nation: 1600 Meter über dem Meeresspiegel, so dass die Luft dort weitaus dünner und trockener ist. Um die Spielsituation dem Rest der Spielorte anzugleichen, begann man im Jahr 2002, die Bälle vor Spielen im Coors Field-Stadion von Denver in einem Humidor zu lagern -- einem Raum mit stark erhöhter Luftfeuchtigkeit. Tatsächlich zeigte sich danach ein leichter, aber deutlicher Effekt auf die Spielstatistik: Die vorher überdurchschnittlich hohe Zahl erfolgreicher Schläge und Homeruns sank wie gewünscht, die Spiele wurden für auswärtige Teams berechenbarer.

Allerdings war der Grund nicht, wie allgemein erwartet, dass ein leichter, trockener Ball weiter fliegt als ein schwerer, feuchter Ball. Auch die Höhenluft selbst hat auf die Fluglinie keinen unmittelbaren Einfluss. Die aerodynamischen Eigenschaften veränderten sich nur wenig durch die Feuchtigkeit, berichten Meyer und Bohn. Vielmehr haben die Werfer jetzt einen besseren Griff, können dem Ball gezielter einen Spin versetzen und die Flugeigenschaften genauer beeinflussen. Die Physiker analysierten die Flugeigenschaften von je fünf Basebällen, die bei 30prozentiger und bei 50prozentiger Luftfeuchtigkeit gelagert worden waren. Ersteres entspricht der Höhenluft in Colorado, letzteres der Durchschnittsatmosphäre im Rest der USA. Analysen zeigten, dass die feuchteren Bälle um 0,24 Prozent größer und um 1,6 Prozent schwerer waren als die trockeneren Bälle. Bei der Berechnung der aerodynamischen Kräfte, die während des Flugs wirken, hatte das aber nur geringen Einfluss. Ein schwererer Ball fliegt zwar etwas weiter, doch ein größerer wird durch Reibung etwas mehr gebremst. Im Endeffekt fliegt der feuchte Ball damit nur rund einen halben Meter weiter als der trockene, so Bohn.

Stattdessen vermuten die Forscher, dass die Luftfeuchtigkeit die Balloberfläche rauer und damit griffiger macht. Werfer hatten berichtet, dass sie den trockenen Bällen weniger Drehung verpassen und damit schlechter die Richtung beeinflussen konnten. Spin-Effekte entsprechend der "Bananenflanke" beim Fußball waren damit weniger gut möglich. Somit sind es jetzt die gezielteren Würfe der Werfer, die den Schlagmännern die erfolgreichen Schläge verderben. Hinzu kommt möglicherweise auch, dass die schwereren, einen Tick weniger elastischen Bälle jetzt langsamer vom Schläger abspringen und beim Schlag etwas weniger Energie aufnehmen. Weitere Untersuchungen wären vonnöten, so die Forscher.