Street-View in Infrarot

Kamera-System offenbart schnell und günstig Energiesparpotenzial ganzer Städte

Cambridge-Straßenfront im Infrarotblick
Cambridge-Straßenfront im Infrarotblick

Cambridge (USA) - In einer effizienten Wärmedämmung von Gebäuden verbirgt sich ein gigantisches Sparpotenzial. Schnell und günstig offenbaren sich nun die größten Energieverschwender einer ganzen Stadt mithilfe fahrbarer Infrarotkameras. Ähnlich wie die Bildersammler von Google-Street-View analysierten Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Wärmelecks aller Häuser von Cambridge bei Boston. Wie sie jüngst auf einer Energiekonferenz berichteten, könnten diese Infrarotaufnahmen kostenfrei von Hausbesitzern abgerufen werden und die Grundlage für eine Wärmesanierung bilden.

"Wenn wir die Eigenheime nur zwei Prozent effizienter machen, ließen sich Milliarden an Dollar einsparen", sagt Long Phan vom MIT-Field Intelligence Laboratory. Für den Wärmescan einer ganzen Stadt montierten die Wissenschaftler eine günstige Infrarot-Kamera auf ein Autodach. Damit fuhren sie in einer Winternacht durch Cambridge und nahmen von allen Häuserfronten Wärmebilder auf. Per speziell entwickelter Software kombinierten sie mehrere Aufnahmen pro Haus so geschickt, dass Fenster, Türen oder Wände mit geringer Wärmedämmung deutlich auf den hochaufgelösten Bildern sichtbar wurden.

Zusammen mit der Stadt Boston wollen Phan und Kollegen ihr Infrarot-Street-View für weitere Stadtbezirke ausbauen. Alle Wärmebilder könnten darauf in einer zentralen Datenbank gesammelt und ähnlich wie die Google-Straßenfotos auf einer Internetseite abgerufen werden. Aber Hausbesitzer sollen nicht nur bunte Wärmebilder ihrer Gebäude erhalten, sondern zusätzlich eine grobe Kalkulation der notwendigen Investition für eine effizientere Wärmedämmung.

"Auch alle deutschen Städte verfügen über ein großes Energiesparpotenzial", sagt Hermann-Josef Wagner vom Lehrstuhl für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Eine effizientere Wärmedämmung für Altbauten steht auch hier im Mittelpunkt. So ließe sich auch hierzulande die Idee eines Infrarot-Street-View aufgreifen, um schnell und mit wenig Aufwand eine Bestandsaufnahme der Wärmelecks in deutschen Städten zu bekommen.