"Nebliges" Geheimnis der Mona Lisa entschlüsselt

Mit Röntgenfluoreszenz-Untersuchungen gehen Physiker der Sfumato-Maltechnik von Leonardo da Vinci auf dem Grund

Mona Lisa im Röntgenblick
Mona Lisa im Röntgenblick

Paris (Frankreich) - Ihren Betrachter schaut die "Mona Lisa", das wohl berühmteste Gemälde von Leonardo da Vinci, immer genau in die Augen. Dem perfekten Pinselstrich des Renaissance-Künstlers gingen nun französische Wissenschaftler auf dem Grund. Ohne das Portrait im Pariser Louvre anzutasten, analysierten sie die hauchdünnen Lasurschichten, die den leicht verschwommenen Eindruck der so genannten "Sfumato"-Technik (ital. für "neblig") ergeben. Ihre Ergebnisse beschreiben sie in der kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift "Angewandte Chemie".

"Kein Pinselstrich, keine Kontur ist zu sehen, Licht und Schatten verschwimmen ineinander wie Rauch", sagt Philippe Walter vom Centre de Recherche et de Restauration des Musées de France in Paris. Da Vinci trug dazu wahrscheinlich über Jahre zwischen 1503 und 1505 zahlreiche Farbschichten übereinander auf, die lange trockneten und danach keinen einzelnen Pinselstrich mehr offenbarten. Genau diese Schichten durchleuchteten die Forscher - unterstützt von Kollegen der European Synchrotron Radiation Facility in Grenoble - nun mit Röntgenstrahlung. Diese wurde von den in den Farbschichten enthaltenen Elementen absorbiert. Darauf sendeten diese Substanzen ein charakteristisches Fluoreszenzlicht aus, dass mit einem Detektor aufgefangen und analysiert werden konnte.

Aus diesen Daten konnten Walter und Kollegen auf die chemische Zusammensetzung und Dicke der Schichten schließen. So entstanden bei der Mona Lisa die dunkleren Bereiche, indem eine manganhaltige Lasurschicht dicker aufgetragen wurde als in den helleren. Die darunterliegenden hellen Bleiweiß-haltigen Schichten sind dagegen überall gleich stark. Mit der gleichen Methode analysierten die Forscher sechs weitere Gemälde von da Vinci. "Der Meister hat seine Maltechnik immer weiter perfektioniert. In seinen späteren Gemälden war er dann in der Lage, durchscheinende Schichten aufzubringen, die aus bis zu 30 nur wenige Mikrometer dicken Filmen eines organischen Bindemittels bestand", so Walter.

Mit diesen zerstörungsfreien Analysen konnten die Forscher zwar die Maltechnik von da Vinci erklären. Aber welche Frau in den Mittzwanzigern für die Mona Lisa Modell saß, ist noch immer umstritten. Am wahrscheinlichsten gilt zurzeit, dass die Mona Lisa von Francesco del Giocondo in Auftrag gegeben wurde und dessen 1479 geborene Tochter Lisa del Giocondo darstellt.