Kugelförmiger Körper mit Magnetfeldlinien.

Kosmische Radioblitze bleiben rätselhaft

Schnelle Radioblitze sind seltene, rätselhafte Himmelsphänomene: Sie dauern nur Millisekunden an und scheinen ihren Ursprung in fernen Galaxien zu haben. Jetzt hat ein internationales Forscherteam erstmals eine Strahlungsquelle identifiziert, die nicht nur einmal, sondern bislang insgesamt elfmal aufgeblitzt ist. Diese Beobachtung steht im Widerspruch zu vielen Erklärungsmodellen für die mysteriösen Ereignisse, wie etwa Sternexplosionen, da bei diesen die ursprüngliche Quelle zerstört wird. Möglicherweise gebe es auch mehrere unterschiedliche Arten von Radioblitzen, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“.

„Wir haben zuvor niemals gesehen, dass sich ein Strahlungsausbruch in der gleichen Quelle wiederholt hat“, erklärt Laura Spiller vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Auf den ersten Radioblitz stieß 2006 der Astronom Duncan Lorimer in Archivdaten des australischen Parkes Observatory aus dem Jahr 2001. Insgesamt hatten Astronomen bislang 16 der mysteriösen Ereignisse aufgespürt. Spiller und ihre Kollegen haben die Himmelspositionen, von denen die Radioblitze ausgingen, mit dem Arecibo-Radioteleskop in Puerto Rico überwacht. Dabei stießen sie an der Position des Strahlungsausbruchs vom 2. November 2012 auf zehn weitere Blitze.

Erst in der vergangenen Woche hatte ein Astronomenteam um Evan Keane vom Jodrell Bank Observatory in Großbritannien berichtet, es habe erstmals den Ursprungsort eines schnellen Radioblitzes identifiziert. Der im April 2015 registrierte Ausbruch stammt demnach aus einer sechs Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie. Zuvor waren sich die Himmelsforscher nicht sicher, ob es sich überhaupt um ein kosmisches Phänomen und nicht doch um eine irdische Erscheinung handelt. Die Beobachtungen von Keane und seinen Kollegen deuteten auch darauf hin, dass Radioblitze durch extreme Ereignisse im Kosmos ausgelöst werden, wie die Explosion eines Sterns oder den Kollaps eines Neutronensterns zu einem Schwarzen Loch.

Da solche Ereignisse die Quelle zerstören, könnten sich die Radioblitze nicht wiederholen. Das erneute Aufblitzen der Quelle vom 2. November 2012 steht also im Widerspruch zu diesen Entstehungsmodellen. Zudem sind inzwischen Zweifel an der Identifikation des Radioblitzes vom April 2015 laut geworden. Peter Williams vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics und Edo Berger von der Ohio University weisen darauf hin, dass es sich bei einem vermeintlichen Nachglühen des Radioblitzes auch um Strahlung aus dem Kern der Galaxie handeln könnte – die sich dann nur zufällig in etwa der gleicher Richtung befindet, aber ursächlich nicht mit dem Radioblitz im Zusammenhang steht.

Möglicherweise entstehen aber auch nicht alle Radioblitze auf die gleiche Weise. „Die Strahlungsausbrüche bei unserer Quelle wiederholen sich nicht einfach“, sagt Spiller. „Auch ihre Helligkeit und ihr Spektralverhalten unterscheiden sich von anderen schnellen Radioblitzen.“ Wiederholte Radioblitze könnten beispielsweise durch Explosionen auf jungen, stark magnetischen Neutronensternen ausgelöst werden. Die Astronomen versuchen nun, die Radioblitze auch in den Archivdaten von optischen und Röntgenteleskopen aufzuspüren, um weitere Hinweise auf den Ursprung dieser rätselhaften Quellen zu erhalten.