Zwei Planeten auf der gleichen Umlaufbahn

Beobachtungen bestätigen theoretische Vorhersagen - Erdmond könnte aus einer ähnlichen Konstellation hervorgegangen sein

Mountain View (USA) - Mit den Daten des Weltraumteleskops Kepler haben Forscher in den vergangenen vier Monaten mehr als tausend mögliche Exoplaneten gefunden, in einigen Fällen sollen bis zu sechs Planeten um einen Stern kreisen. In einem System machten sie eine weitere interessante Entdeckung: Dort teilen sich offenbar zwei Planeten die gleiche Umlaufbahn. Diese Beobachtung stützt die Theorie, dass sich auch die Erde einmal mit einem anderen Körper im gleichen Orbit befand, der für die Bildung unseres Mondes verantwortlich war.

Das System KOI-730 besteht aus vier Planeten. Zwei von ihnen kreisen im gleichen Abstand um den zentralen Stern und brauchen 9,8 Tage für einen Umlauf. Die Entfernung zwischen ihnen entspricht einem Winkel von 60 Grad gemessen vom Mittelpunkt des Sterns. Genau diese Anordnung macht es möglich, dass das Paar nicht kollidiert. Astronomen nennen die möglichen Aufenthaltsorte mehrerer Körper in einem Orbit auch "Librations-" oder "Lagrange-Punkte". Von ihnen gibt es insgesamt fünf, doch nur die Positionen in einem Winkel von 60 Grad vor oder hinter einem Planeten garantieren eine stabile Bahn. Bei Jupiter in unserem Sonnensystem bewegen sich an diesen beiden Stellen Gruppen von Asteroiden, die so genannten "Trojaner".

"Systeme wie diese sind ungewöhnlich, es ist das einzige, das wir entdecken konnten", berichtet Jack Lissauer vom Ames Research Center der NASA in Kalifornien. Theorien hatten bereits vorhergesagt, dass zwei Planeten auf der gleichen Bahn entstehen können. Die weitere Untersuchung von KOI-730 ist allerdings schwierig, da der zugehörige Stern nur schwach leuchtet.

Forscher der Princeton University haben die Daten von KOI-730 weiter untersucht und berechnet, dass die beiden Planeten noch mindestens zwei Millionen Jahre weiter kreisen können, ohne sich in die Quere zu kommen. Unser Mond soll sich 50 Millionen Jahre nach Entstehung des Sonnensystems gebildet haben, nachdem ein marsgroßer Körper namens Theia in die Erde eingeschlagen ist. Simulationen zufolge muss er sich dabei mit einer niedrigen Geschwindigkeit genähert haben. Es wäre daher möglich sein, dass sich Theia ebenfalls eine Zeit lang im Orbit der Erde aufgehalten hat.