Was heizt den Saturnmond Enceladus?

Am Südpol des Himmelskörpers entsteht zehnmal mehr Energie als erwartet - ausreichend Wärme für einen Ozean unter dem Eispanzer

Enceladus
Enceladus

Boulder (USA) - Unter der Oberfläche des Saturnmonds Enceladus rumort es gewaltig: Am Südpol des nur 500 Kilometer großen Trabanten werden pro Sekunde 15,8 Milliarden Joule an Energie freigesetzt. Das ist mehr als das Zehnfache dessen, was theoretische Modelle für den Himmelskörper vorhersagen. Planetenforscher vermuten nun, dass es unter dem Eispanzer einen Ozean aus flüssigem Wasser geben könnte.

"Der Mechanismus, der die beobachtete große Energiemenge erzeugt, bleibt für uns ein Rätsel", gesteht Carly Howett vom Southwest Research Institute in Boulder im US-Bundesstaat Colorado. "Es ist eine Herausforderung für die gegenwärtigen Modelle für die Hitzeproduktion unter der Oberfläche von Enceladus." Howett hat gemeinsam mit Kollegen von der amerikanischen Raumsonde Cassini im Jahr 2008 durchgeführte Infrarotmessungen der Oberflächentemperatur am Südpol von Enceladus ausgewertet.

Bereits 2005 hatten Cassini-Beobachtungen gezeigt, dass die südpolare Region des Saturnmondes geologisch aktiv ist. Diese Aktivität konzentriert sich auf vier so genannte "Tigerstreifen", 130 Kilometer lange und 2 Kilometer breite Einschnitte im Eispanzer des Himmelskörpers, aus denen Eispartikel und Wasserdampf ins All ausgestoßen werden. Als Energiequelle für diese Aktivität kommen einerseits Gezeitenkräfte, andererseits Aufheizung durch den Zerfall von radioaktiven Elementen im felsigen Kern des Himmelskörpers infrage.

Doch die bisherigen theoretischen Modelle liefern für diese Prozesse eine maximale Energieproduktion von 1,4 Milliarden Joule pro Sekunde oder 1,4 Gigawatt. Eine mögliche Erklärung wäre, so Howett und ihre Kollegen, dass die Gezeitenkräfte durch Änderungen der Umlaufbahnen der Saturnmonde starken Schwankungen unterliegen. Dies würde allerdings bedeuten, dass Cassini Enceladus zufällig in einem Zustand ungewöhnlich starker Aktivität beobachtet hat. Die hohe Energieproduktion erhöht auch die Chance, dass es unter dem südpolaren Eis einen Ozean aus flüssigem Wasser gibt. "Die mögliche Existenz von flüssigem Wasser, das Vorhandensein einer Energiequelle und die Beobachtung von organischen Stoffen in der Fontäne von Enceladus machen den Mond zu einem besonders interessanten Objekt für die Astrobiologen", so Howett.