Ursache für aktive Galaxienkerne weiter rätselhaft

Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble zeigen: Verschmelzungen von Galaxien sind nicht die Ursache.

Scheibenförmige Spiralgalaxie
Scheibenförmige Spiralgalaxie

Santa Cruz (USA) - Zusammenstöße und Verschmelzungen von Galaxien spielen keine wichtige Rolle für die Bildung aktiver Galaxienkerne - weder im heutigen noch im jungen Universum. Zu diesem Schluss, der bisherigen Theorien widerspricht, kommt ein internationales Forscherteam nach der Beobachtung von 72 bis zu elf Milliarden Lichtjahren entfernten Galaxien. Obwohl die supermassiven Schwarzen Löcher in den Zentren dieser Sternsysteme hell leuchten - ein deutliches Zeichen dafür, dass viel Materie in das Schwarze Loch hineinströmt -, zeigen die Galaxien ein normales, ungestörtes Aussehen. Die Wissenschaftler präsentieren ihre Beobachtungen demnächst im Fachblatt "Astrophysical Journal".

"Theoretische Modelle zeigen, dass Verschmelzungen ein hervorragendes Mittel sind, um Aktivität in einem Galaxienkern auszulösen", erläutert Dale Kocevski von der University of California in Santa Cruz, einer der beteiligten Astronomen. Solche kosmischen Katastrophen treiben Gas in die Zentralregionen der Galaxien, das in die dort sitzenden supermassiven Schwarzen Löcher fällt. Dabei werden gewaltige Energiemengen frei und lassen die Galaxienkerne hell aufleuchten. "Wir sehen um solche aktiven Galaxienkerne herum jedoch ganz normale, scheibenförmige Galaxien - Verschmelzungen würden solche Scheiben aber zerstören."

Hinweise darauf, dass die These von Kollisionen und Verschmelzungen als Trigger für die Aktivität in Galaxienkernen nicht korrekt ist, gab es bereits früher. Untersuchungen an Galaxien in unserer näheren kosmischen Umgebung fanden beispielsweise keinen Zusammenhang zwischen derartigen kosmischen Katastrophen und dem Aufleuchten der zentralen Schwarzen Löcher. Die Untersuchung von Kocevski und seinen Kollegen zeigt aber zum ersten Mal die regelmäßige Struktur weit entfernter Galaxien mit aktiven, leuchtenden Kernen.

Es scheinen also weniger dramatische Prozesse zu sein, die zur "Fütterung" der supermassiven Schwarzen Löcher führen - beispielsweise der zufällige Einfall einer größeren Gaswolke oder eines Sterns. Doch solche Vorgänge sollten im frühen Kosmos ebenso wahrscheinlich sein wie im heutigen Universum. Aktive Galaxienkerne sind aber im jungen Kosmos häufiger. Es müssen also auch Prozesse eine Rolle spielen, die in der Frühzeit des Universums häufiger aufgetreten sind als heute. "Neuere Theorien postulieren eine Fütterung durch kühle Gasströme, die zu Instabilitäten im Inneren der Galaxien führen könnten", so Kocevski, "aber nur weitere Beobachtungen können uns zeigen, ob diese Ideen korrekt sind."