Sonnenstürme tragen auf dem Mond Tonnen von Materie ab

Bis zu 200 Tonnen Materie verliert der Erdtrabant durch eine Sonneneruption

Koronaler Massenauswurf
Koronaler Massenauswurf

San Francisco (USA) - Sonnenstürme und koronale Massenauswürfe unseres Zentralgestirns wirken sich wie ein Sandstrahlgebläse auf die Oberfläche des Mondes aus: Die schnellen Teilchen der Eruptionen führen zu einer Erosion, bei der der Erdtrabant bis zu 200 Tonnen Materie in zwei Tagen verlieren kann. Das zeigen Computersimulationen, die ein Forscherteam der NASA auf der Herbsttagung der American Geophysical Union in San Francisco vorgestellt hat. Die Wissenschaftler hoffen, ihre Ergebnisse schon 2013 mit einer Mondsonde überprüfen zu können.

Koronale Massenauswürfe sind gewaltige Wolken aus heißem Plasma und elektrisch geladenen Teilchen, die durch Eruptionen auf der Sonne ins All geschleudert werden. Ein großer Auswurf kann bis zu einer Milliarde Tonnen Materie enthalten und mit bis zu 1,5 Millionen Kilometern pro Stunde durchs All rasen. Treffen die hochenergetischen Partikel des Auswurfs auf die Mondoberfläche, so können sie dort Atome herausschlagen. "Sputtern" nennen die Experten diesen Vorgang.

"Schon unter normalen Umständen ist Sputtern durch den Sonnenwind ein wichtiger Prozess auf dem Mond", erläutert die Leiterin der Studie, Rosemary Killen vom Goddard Space Flight Center der Nasa. "Unsere Modelle zeigen, dass das Sputtern im Verlauf eines koronalen Massenauswurfs um das 50-fache ansteigt." Eine wichtige Rolle, so zeigen die Simulationen, spielen dabei Helium-Ionen. Während Helium nur vier Prozent des normalen Sonnenwinds ausmacht, können koronale Massenauswürfe über zwanzig Prozent Helium enthalten. Die größere Masse dieser Ionen zusammen mit der erhöhten Dichte und Geschwindigkeit der Auswürfe verursachen gemeinsam den dramatischen Sandstrahl-Effekt.

Killen und ihre Mitarbeiter hoffen, die Vorhersagen ihrer Computersimulationen schon 2013 mit der Mondsonde "Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer", kurz LADEE, überprüfen zu können. Das Raumfahrzeug soll mit seinen Detektoren die aus der Mondoberfläche herausgerissenen Atome nachweisen - und so zugleich neue mineralogische Erkenntnisse über unseren Erdtrabanten liefern.