Planet im Röntgensturm

Extrasolarer Planet wird von seinem Stern hunderttausend Mal stärker bestrahlt als die Erde von der Sonne.

System CoRoT-2
System CoRoT-2

Hamburg - Von unserer Sonne trifft ständig elektromagnetische Strahlung mit unterschiedlichen Wellenlängen auf die Erdatmosphäre. Doch diese Strahlung ist denkbar harmlos verglichen mit dem, was der Planet CoRot-2b von seinem Stern empfängt: Die eintreffende Röntgenstrahlung ist dort hunderttausend Mal intensiver. Insgesamt ist die Energie so hoch, dass fünf Millionen Tonnen Materie pro Sekunde von der Oberfläche verdampfen. Zu diesen Ergebnissen gelangten Astronomen, die Daten des Chandra X-ray Observatory der amerikanischen Weltraumagentur NASA und des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO auswerteten. Sie vermuten, dass der Planet selbst der Grund für die anhaltend starken Röntgenemissionen des Sterns ist.

CoRot-2b und sein Stern CoRot-2a - beide wurden vor drei Jahren mit dem französischen CoRot-Satelliten entdeckt - sind 880 Lichtjahre von uns entfernt und gehören damit zur relativ nahen Nachbarschaft der Milchstraße. Der Planet hat etwa die dreifache Masse des Jupiters und umkreist sein Zentralgestirn in einer sehr engen Bahn, der Abstand entspricht der zehnfachen Distanz zwischen Erde und Mond. Das Alter des Sterns schätzen die Astronomen auf 100 bis 300 Millionen Jahre, was sehr ungewöhnlich ist, da ein Stern in dieser Entwicklungsphase wesentlich weniger aktiv sein sollte. In der Regel sind es jüngere Sterne, die von turbulenten Magnetfeldern umgeben sind, welche starke Röntgenstrahlung produzieren.

Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen bietet die Bahn von CoRot-2b. "Weil sich dieser Planet derart nah an seinem Stern befindet, könnte er die Rotation des Sterns beschleunigen und dadurch dessen magnetische Felder aktiv halten", sagt Stefan Czesla von der Universität Hamburg, der an den Untersuchungen beteiligt war. "Ohne den Planeten hätte der Stern seine ungestüme Jugend eigentlich schon vor Millionen Jahren hinter sich lassen müssen."

Neben der extremen Aufheizung hat der Röntgensturm womöglich einen weiteren Effekt auf den planetaren Begleiter des Sterns. Für seine Masse besitzt CoRoT-2b ein ungewöhnlich großes Volumen, die Forscher halten die Strahlung für die Ursache des Aufblähens. Doch bisher haben sie zu wenig Erfahrung mit extrasolaren Planeten in einer solch ungewöhnlichen Umgebung, um diese Theorie zu bestätigen.