Neutronenstern stellt neue Rekorde auf

Astronomen entdecken jungen Millisekunden-Pulsar mit starkem Magnetfeld - Objekt fügt sich nicht in bisherige Entstehungsmodelle

Kugelsternhaufen NGC 6624
Kugelsternhaufen NGC 6624

Bonn/Fairfax (USA) - Ein Neutronenstern im 27.000 Lichtjahre entfernten Kugelsternhaufen NGC 6624 im Sternbild Schütze verblüfft die Astronomen: Er ist nicht nur der jüngste Millisekunden-Pulsar, der bislang entdeckt wurde, sondern besitzt auch noch das stärkste Magnetfeld von allen bekannten Objekten dieser Klasse - es ist erheblich stärker als von der Theorie vorhergesagt. Damit stelle der Himmelskörper die Theorie zur Entstehung von schnell rotierenden Neutronensternen infrage, so ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science".

"Zu unserer großen Überraschung haben wir herausgefunden, dass der Pulsar auch im Gammalicht hell strahlt", erläutert einer der beteiligten Astronomen, Damien Parent vom Center for Earth Observing and Space Research in den USA. "Das lässt auf ein unerwartet starkes Magnetfeld bei einem derart schnell rotierenden Pulsar schließen." Pulsare sind schnell rotierende Neutronensterne, extrem dichte Überreste explodierter Sterne. Besonders interessant für die Astronomen sind die sogenannten Millisekunden-Pulsare mit bis zu 700 Umdrehungen pro Sekunde. Ihre schnelle Rotation lässt sich nur dadurch erklären, dass sie durch den Einfall von Materie beschleunigt worden ist.

J1823-3021A war 1994 der erste von inzwischen sechs Pulsaren, die im Kugelsternhaufen NGC 6624 aufgespürt wurden. Mithilfe des amerikanischen Gamma-Satelliten Fermi konnten Parent und seine Kollegen nun auch Gammastrahlung von diesem Neutronenstern nachweisen. Das Objekt ist damit der erste Gamma-Pulsar in einem Kugelsternhaufen und stellt zudem einen neuen Entfernungsrekord für Gamma-Pulsare auf. Die große Helligkeit von J1823-3021A im Gammabereich "bedeutet eine Herausforderung für unsere derzeitigen Theorien zur Bildung solcher Pulsare", erklärt der an den Messungen beteiligte Direktor des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn, Michael Kramer. "Wir untersuchen im Moment eine ganze Reihe von Erklärungsmöglichkeiten. Die Natur könnte Millisekunden-Pulsare auf eine Art entstehen lassen, die wir zurzeit noch gar nicht auf dem Schirm haben."