Mehr als tausend neue Planeten-Kandidaten

Satellitenobservatorium Kepler veröffentlicht Daten über neue Exoplaneten - darunter auch erdähnliche Planeten in der bewohnbaren Zone

Kepler-11
Kepler-11

Washington (USA) - Das Satellitenobservatorium Kepler übertrifft die Erwartungen der Astronomen: Innerhalb von fünf Monaten hat das Weltraumteleskop 1250 Planeten-Kandidaten bei anderen Sternen aufgespürt. Darunter sind auch 54 Objekte, die ihre Bahnen in der bewohnbaren Zone ziehen, dort also, wo es flüssiges Wasser und damit auch Leben geben könnte. Fünf davon sind von vergleichbarer Größe wie unsere Erde - bislang war nur ein einziger erdähnlicher Planet in der bewohnbaren Zone eines Sterns bekannt.

"Die Tatsache, dass wir so viele Planeten-Kandidaten in einem so kleinen Bereich des Himmels gefunden haben zeigt, dass es in der Milchstraße unzählige Planeten gibt, die sonnenähnliche Sterne umkreisen", sagt William Borucki, Chef-Wissenschaftler der Kepler-Mission. Das im März 2009 gestartete Teleskop überwacht die Helligkeit von 156.000 Sternen in einer kleinen Region in den Sternbildern Schwan und Leier, die etwa ein Vierhundertstel des gesamten Himmels ausmacht. Wenn ein Planet von der Erde aus gesehen zufällig vor seinem Stern vorüberzieht, dann schwächt er dessen Helligkeit geringfügig ab. Eine periodische Wiederholung solcher Helligkeitsabschwächungen ist also ein Indiz für die Existenz eines Planeten. Aus der Stärke der Abschwächung können die Astronomen direkt die Größe des Planeten bestimmen. Damit es aber überhaupt zu einem solchen "Transit" des Planeten kommen kann, müssen wir von der Erde aus möglichst genau auf die Kante seiner Bahnebene blicken - sonst zieht er unbemerkt oberhalb oder unterhalb des Sterns vorüber.

Die jetzt veröffentlichten Beobachtungsdaten des Zeitraums vom 12. Mai bis zum 17. September 2009 zeigen Transits von 68 erdgroßen Planeten, 288 so genannten Super-Erden, die mehr als doppelt so groß sind wie die Erde, 662 neptunähnlichen Himmelskörpern, 165 jupitergroßen Planeten und 19 Objekten, die deutlich größer als der Jupiter sind. Besonders interessant ist das System Kepler-11, das mit gleich sechs - inzwischen durch weitere Beobachtungen bestätigten - Planeten aufwartet. Es handelt sich um das am dichtesten gepackte System, das die Astronomen bislang gefunden haben: Fünf der Planeten kreisen auf Bahnen enger als der Orbit von Merkur, dem sonnennächsten Planeten in unserem Sonnensystem. Ihre Massen liegen zwischen dem 2,3- und dem 13,5-fachen der Erdmasse.

Die Astronomen sprechen bei der Mehrheit der Kepler-Entdeckungen vorsichtig von "Planeten-Kandidaten", weil sich die Objekte bislang nur indirekt durch ihre Transits verraten haben. Weitere Beobachtungen sollen nun - wie bei Kepler-11 - bestätigen, dass die Helligkeitsschwankungen tatsächlich durch Planeten verursacht werden. Dazu suchen die Forscher nach periodischen Taumelbewegungen der Sterne durch die Anziehungskraft der Planeten. Aus der Größe dieser Bewegung ergibt sich dann zugleich auch die Masse des jeweiligen Planeten. Die Überprüfung aller von Kepler aufgespürten Objekte dauert vermutlich viele Jahre - aber die Astronomen sind sich sicher, dass die meisten Kandidaten diese Prüfung bestehen. Zwar kann sich auch die Leuchtkraft eines Sterns zum Beispiel durch Pulsationen periodisch ändern. Aber der Helligkeitsverlauf solcher intrinsischen Änderungen unterscheidet sich deutlich von Planeten-Transits.