Leben auf der Erde auch ohne Mond möglich

Jupiter allein stabilisiert die Rotationsachse unseres Planeten - ein großer Mond kann sogar destabilisierend wirken

Moscow (USA) - Ohne den Mond hätten auf der Erde keine höheren Lebensformen entstehen können, weil er die Rotationsachse und damit auch das Klima stabil hält - so dachte man bisher. Doch Computersimulationen liefern ein anderes Bild. Der Riesenplanet Jupiter allein sorgt für eine ausreichend stabile Rotationsachse unseres Planeten, so dass die Entwicklung komplexer Lebensformen möglich wurde. Wie die Rechnungen der Wissenschaftler zeigen, kann sich ein großer Mond unter Umständen sogar ungünstig auf einen erdähnlichen Planeten auswirken.

"Ein Mond kann stabilisierend oder destabilisierend wirken, je nachdem, was im Rest eines Planetensystems vorgeht", erläutert Jason Barnes von der University of Idaho, einer der drei beteiligten Forscher, im "Astrobiology Magazine". Würde beispielsweise Jupiter näher an der Erde um die Sonne kreisen, so könnte der große Erdtrabant der stabilisierenden Wirkung des Riesenplaneten entgegenwirken und zu heftigen Schwankungen des Neigungswinkels der Erdachse führen - mit entsprechend dramatischen Auswirkungen auf das irdische Klima.

Die Achse der Erde ist derzeit um 23,44 Grad geneigt, dieser Winkel schwankt im Verlauf von Jahrzehntausenden nur um etwa ein Grad. Ohne diese Stabilität hätte sich auf unserem Planeten vermutlich kein komplexes Leben entwickeln können. Bislang gingen die Forscher davon aus, dass die Anziehungskraft unseres vergleichsweise großen Mondes die Erdachse stabilisiert - ohne den Erdtrabanten, so die These, könnte die Erdachse sogar um bis zu 80 Grad kippen. Die Simulationen von Barnes und seinen Kollegen zeigen nun, dass das nicht der Fall ist: Die Anziehungskraft des Riesenplaneten Jupiter allein sorgt bereits dafür, dass die Erdachse im Verlauf von einer halben Milliarde Jahren um nicht mehr als zehn bis zwanzig Grad schwankt. Das führt zwar immer noch zu gravierenden Klimavariationen, sollte aber "die Entwicklung von intelligentem Leben nicht ausschließen", so Barnes.

Damit steigt nach Ansicht der Wissenschaftler auch die Chance für die Existenz intelligenten Lebens auf Planeten bei anderen Sternen. Denn wenn allein ein großer Mond für die Stabilisierung der Rotation eines erdähnlichen Planeten nötig wäre, dann würden nur etwa ein Prozent dieser Himmelskörper ein ausreichend stabiles Klima für die Entwicklung komplexer Lebensformen bieten. Die Ergebnisse der Simulationen von Barnes und seinen Kollegen lassen diesen Wert nun auf 75 Prozent ansteigen.