Lava überflutete einst Merkurs Nordpol

Aufnahmen der Raumsonde Messenger zeigen Spuren von extremem Vulkanismus in der Frühzeit des sonnennächsten Planeten

Lavaebenen am Merkur-Nordpol
Lavaebenen am Merkur-Nordpol

Providence (USA) - Eine rund fünf Millionen Quadratkilometer große Fläche am Nordpol des Planeten Merkur ist von einer mehr als einen Kilometer dicken Schicht aus Lava überdeckt. Das zeigen neue Aufnahmen der amerikanischen Raumsonde Messenger. Aus der Auswertung der Bilder ergibt sich, dass die Lava vor 3,7 bis 3,8 Milliarden Jahren aus großen Rissen in der Merkurkruste an die Oberfläche geströmt ist, berichten Forscher im Fachblatt "Science".

"Dort ist eine große Menge Lava in kurzer Zeit ausgetreten", beschreibt die an der Analyse beteiligte Planetenforscherin Jennifer Whitten von der Brown University in Providence im US-Bundesstaat Rhode Island den kataklysmischen Vorgang. "Es ist eine völlig andere Form von Vulkanismus als wir es beispielsweise von Hawaii her kennen." Hinweise auf die Lavaebenen in der nordpolaren Region hatten schon Aufnahmen geliefert, die Messenger bei drei Vorbeiflügen am sonnennächsten Planeten in den Jahren 2008 und 2009 zur Erde gefunkt hatte. Aber erst nach dem Einschwenken der Sonde in eine Umlaufbahn um Merkur im März dieses Jahres hatten die Wissenschaftler die Gelegenheit, die Ebenen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Zwar hatten einige Forscher schon früh den Verdacht geäußert, die Ebenen könnten vulkanischen Ursprungs sein. Die Abwesenheit großer Vulkane in dieser Region sprach jedoch zunächst gegen diese Hypothese. Nun haben die Wissenschaftler des Messenger-Teams die nähere Umgebung der nordpolaren Ebenen untersucht, um ihren Ursprung zu klären. Dort fanden sie Hinweise auf Risse in der Merkuroberfläche, aus denen vor langer Zeit Lavaströme ausgetreten sind. Die Forscher vermuten nun, dass ähnliche Vorgänge auch im Bereich der Ebenen am Werk waren, dass aber die schiere Menge der ausgetretenen Lava alle Spuren des Prozesses ausgelöscht hat.

Aus der Anzahl der frischen Krater auf den Ebenen konnten die Wissenschaftler bestimmen, wann der gewaltige Lavaausbruch stattgefunden hat: vor 3,7 bis 3,8 Milliarden Jahren, also am Ende des sogenannten "Großen Bombardements", als zahlreiche Asteroiden - Überreste der Planetenentstehung - auf die Planeten des inneren Sonnensystems stürzten. Anhand von Überresten überfluteter älterer Krater ließ sich weiterhin die Dicke der Lavaschicht auf mehr als einen Kilometer bestimmen. Die Forscher wollen nun mit den anderen Messgeräten an Bord von Messenger die chemische Zusammensetzung der Oberfläche in der nordpolaren Region untersuchen, um weitere Informationen über den Vulkanismus in der Frühgeschichte des Planeten zu erhalten.