Große ESA-Missionen im kleineren Format?

Nach dem Ausstieg der NASA sollen die Missionen LISA, IXO und EJSM-Laplace neu geplant werden - verfügbares Budget auf 700 Millionen Euro geschrumpft

LISA
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Paris (Frankreich) - Im Jahr 2020 wollte die europäische Raumfahrtbehörde ESA zusammen mit ihren amerikanischen Kollegen der NASA eine große Mission auf den Weg bringen. Doch noch bevor das Auswahlverfahren abgeschlossen werden konnte, zog sich die NASA aus der Finanzierung der drei Projekte zurück, die um die Realisierung im Cosmic Vision Programm konkurrieren. Die ESA und beteiligte Forschergruppen - darunter auch Wissenschaftler aus Deutschland - wollen nun überdenken, wie sich die Missionen auch mit kleinerem Budget realisieren lassen.

Als Grund für die Absage nannte die NASA erhöhte Kosten für das James Webb Space Telescope, dessen Start für 2014 geplant ist. Der Hubble-Nachfolger soll mittlerweile 6,5 Milliarden Dollar kosten - umgerechnet etwa 4,5 Milliarden Euro. Bei den drei Projekten für das Cosmic Vision Programm handelt es sich um die Laser Inferometer Space Antenna (LISA), die im All nach Gravitationswellen suchen soll, das International X-Ray Observatory (IXO) sowie die Europa Jupiter System Mission (EJSM-Laplace) zu den beiden Jupitermonden Europa und Ganymed. Bereits im März hatte die ESA die verantwortlichen Teams beauftragt zu überprüfen, ob die Missionen ohne Zuschüsse der NASA im kleineren Maßstab durchführbar sind. Das verbleibende Budget beträgt 700 Millionen Euro, etwa 40 bis 50 Prozent weniger als ursprünglich geplant. Die ESA wird wahrscheinlich bis Mitte des Jahres entscheiden, welche der Missionen möglich bleibt.

Die Teams denken bereits über eine Verkleinerung nach, auch wenn ihre Projekte damit einen Teil ihrer wissenschaftlichen Bedeutung einbüßen dürften. Das IXO-Teleskop wäre mit zwei oder drei Spiegeln denkbar anstatt mit den geplanten sechs, die Mission EJSM-Laplace könnte nur Ganymed anfliegen und Europa auslassen. Auch das LISA-Team gibt sich optimistisch. "Wir hoffen, dass die NASA sich wenigstens in geringerem Umfang wieder an einer umstrukturierten, kleineren und weniger teuren LISA-Mission beteiligen wird", sagt Karsten Danzmann, europäischer Vorsitzender des LISA International Science Team, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik sowie Leiter des Instituts für Gravitationsphysik der Universität Hannover. Das amerikanischen National Research Council hatte IXO und LISA in seiner Studie ASTRO2010 noch als zwei der wichtigsten großen Weltraummissionen der kommenden zehn Jahre empfohlen.