Geschichte der Sternentstehung im galaktischen Zentrum rekonstruiert

Vor 25 Millionen Jahren entstanden im zentralen Bereich der Milchstraße wohl deutlich mehr Sterne als zuvor

Zentrum der Milchstraße
Zentrum der Milchstraße

Tokio (Japan) - Im Zentrum unserer Milchstraße haben sich vor 25 Millionen Jahren etwa viermal mehr Sterne neu gebildet als in der Zeit davor. Darauf deutet die Entdeckung von drei sogenannten Cepheiden-Sternen hin, die alle zur gleichen Zeit entstanden sind. Die starke Schwankung der Sternentstehungsrate könnte ein Anzeichen dafür sein, dass zyklisch Gas in das galaktische Zentrum einströmt, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Nature".

Cepheiden sind alternde Sterne, die bereits den Vorrat an Wasserstoff in ihrem Zentrum verbraucht haben und eine kurzeitige Phase der Instabilität durchlaufen. In dieser Zeit pulsieren die Sterne mit Perioden zwischen einem und 130 Tagen. "Die Pulsationsperiode klassischer Cepheiden nimmt mit zunehmendem Alter ab", schreiben Noriyuki Matsunaga von der Universität Tokio und seine Kollegen. "Daher können wir aus der Verteilung ihrer Perioden etwas über die Geschichte der Sternentstehung erfahren."

Matsunaga und seine Kollegen haben die Region um das galaktische Zentrum nach den veränderlichen Sternen abgesucht - bislang waren dort keine Cepheiden bekannt. Die Astronomen konnten drei Cepheiden mit Pulsationsperioden um zwanzig Tage aufspüren, aber keine mit anderen Perioden. Aus der Periode von zwanzig Tagen ergibt sich ein Alter von 25 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit, so schließen die Forscher, muss die Sternentstehungsrate also deutlich höher gewesen sein als in der Zeit davor, sonst hätte das Team auch Cepheiden mit längeren Perioden finden müssen.

Für den Zeitraum vor 30 bis 70 Millionen Jahren ergibt sich aus der Abwesenheit langperiodischer Cepheiden eine Sternentstehungsrate von zwei Sonnenmassen in hundert Jahren für die Zentrumsregion der Milchstraße. Vor 25 Millionen Jahren ist diese Rate dann etwa auf das Vierfache angestiegen. Dieser Anstieg lässt sich nach Ansicht von Matsunaga und seinen Kollegen nur durch den Zustrom von Materie in das Milchstraßenzentrum erklären. Ein solcher Materiestrom könnte zyklisch erfolgen und immer wieder zu Episoden gesteigerter Sternentstehung führen.