Astronomen entdecken 50 neue Exoplaneten

Nahezu jeder zweite sonnenähnliche Stern besitzt mindestens einen Planeten kleiner als Saturn

Simulation: erdähnlicher Exoplanet
Simulation: erdähnlicher Exoplanet

Garching/Genf (Schweiz) - Die Entdeckung von gleich 50 neuen Planeten bei anderen Sternen - so genannten Exoplaneten - meldet ein Team europäischer Astronomen auf einer Fachtagung in den USA. Unter den Himmelskörpern sind auch 16 sogenannte Supererden, felsige Planeten mit der mehrfachen Masse der Erde. Ein hochempfindliches Gerät - HARPS - am 3,6-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile hat die Entdeckungen ermöglicht. Es kann über Lichtjahre hinweg Sternbewegungen von weniger als vier Kilometern pro Stunde - Schrittgeschwindigkeit - nachweisen.

"Die Ernte von Entdeckungen mit HARPS hat alle unsere Erwartungen übertroffen und enthält eine außergewöhnlich reiche Sammlung von Super-Erden und Neptun-ähnlichen Planeten bei Sternen ähnlich unserer Sonne", sagt der Leiter der Forschungsgruppe Michel Mayor von der Sternwarte Genf. HARPS ist ein Spektrograph, ein Gerät, das das Sternenlicht in seine Spektralfarben zerlegt. Geringfügige Veränderungen in den Sternspektren zeigen den Astronomen über den Dopplereffekt, wie sich die Sterne bewegen.

Die meisten Exoplaneten können nicht direkt beobachtet werden - sie stehen von der Erde aus zu nahe bei ihren Sternen und leuchten im Vergleich zu den Sternen viel zu schwach. Die Planeten verraten sich daher nur indirekt: Sie zerren mit ihrer Schwerkraft an den Sternen und lassen sie so periodisch hin- und hertaumeln. Ständige technische Verbesserungen am seit acht Jahren eingesetzten HARPS-Gerät erlauben den Nachweis immer kleinerer Sternbewegungen - und damit auch die Entdeckung immer kleinerer Planeten.

Von den von Mayor und seinen Kollegen mit HARPS beobachteten Sternen ähneln 376 unserer Sonne. Die Wissenschaftler konnten damit genauer als zuvor abschätzen, wie häufig um sonnenähnliche Sterne felsige Planeten kreisen - im Gegensatz zu Gasriesen wie Jupiter. Rund 40 Prozent solcher Sterne, so das Ergebnis, haben mindesten einen Planeten, der eine kleinere Masse als Saturn besitzt. Die Daten des HARPS-Teams zeigen außerdem, dass die meisten der kleineren Planeten ihre Bahnen in Systemen mit mehr als einem Begleiter ziehen.

HARPS kann bereits Planeten mit Massen von weniger als der doppelten Erdmasse aufspüren - und weitere Verbesserungen sind geplant. Mayor und sein Team haben seit zwei Jahren zehn sonnenähnliche Sterne besonders unter die Lupe genommen und dort fünf neue Planeten mit Massen von weniger als der fünffachen Erdmasse gefunden. "Diese Planeten gehören zu den besten Zielen für künftige Beobachtungen aus dem Weltall", erläutert Francesco Pepe, ein weiteres Mitglied der Gruppe. "Mit Weltraumteleskopen können wir in den Atmosphären der Planeten nach chemischen Hinweisen auf Leben Ausschau halten, beispielsweise nach Sauerstoff."

Eine Kopie von HARPS soll nun an einem Teleskop auf La Palma installiert werden, um auch nach erdähnlichen Planeten am nördlichen Himmel zu suchen. Und am Very Large Telescope der ESO kommt 2016 der noch empfindlichere Spektrograph ESPRESSO zum Einsatz. "In den kommenden zehn bis zwanzig Jahren sollten wir eine Liste potenziell bewohnbarer Planeten in der Umgebung der Sonne haben", ist sich Mayor sicher. Dann, so der Planetenjäger, kann die Suche nach Leben auf Planeten bei anderen Sternen richtig Fahrt aufnehmen.