Riesensterne entstehen auch in der Einsamkeit

Hubble-Beobachtungen zeigen, dass massereiche Sterne überall entstehen können - nicht nur in großen Sternhaufen

Kleine Magellansche Wolke
Kleine Magellansche Wolke

Ann Arbor (USA) - Die massereichsten Sterne im Kosmos brauchen nicht unbedingt große Gaswolken für ihre Entstehung. Vielmehr können sie sich überall bilden, auch in relativer Isolation. Das zeigen Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble, über die amerikanische Astronomen im Fachblatt "Astrophysical Journal" berichten.

"Unsere Ergebnisse widersprechen der These, dass die maximale Masse eines Sterns in einem Sternhaufen von der Größe des Sternhaufens abhängt", fasst Sally Oey von der University of Michigan zusammen. Gemeinsam mit ihren Kollegen hatte die Forscherin acht Riesensterne mit der 20- bis 150-fachen Masse unserer Sonne in der Kleinen Magellanschen Wolke, einer Satellitengalaxie der Milchstraße, beobachtet. Drei dieser Riesensterne befinden sich in kleinen Sternhaufen mit maximal zehn Sternen, bei den anderen fünf konnten Oey und ihre Kollegen mit dem Hubble-Teleskop keine weiteren Sterne in der Nachbarschaft entdecken.

Nach Ansicht der Wissenschaftler sprechen die Beobachtungen dafür, dass die Massen der Sterne, die aus einer Gaswolke entstehen, sich rein stochastisch - also zufällig - aus einer universellen Massenfunktion ergeben. Sterne mit extrem großen Massen können daher nicht nur in großen Gaswolken, sondern auch in kleinen Gaswolken entstehen, aus denen nur kleine Sterngruppen hervorgehen. Es gibt demnach keinen physikalischen Zusammenhang zwischen der Größe einer Sternentstehungsregion und der maximalen Masse der Sterne, die in ihr entstehen können.

Massereiche Sterne spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Galaxien. Mit ihrer Strahlung und ihren starken Sternwinden beeinflussen sie ihre Umgebung und treiben sie die Entstehung weiterer Sterne an. Außerdem reichern massereiche Sterne ihre Umgebung mit schweren Elementen an, die beispielsweise für die Entstehung von Planeten nötig sind. Deshalb ist es für die Astronomen wichtig, die Entstehung der Riesensterne zu verstehen.