Lebensbausteine in Titans Atmosphäre?

Forscher erzeugen Nukleinbasen und Aminosäuren in künstlicher Titanatmosphäre - ganz ohne Wasser

Saturnmond Titan
Saturnmond Titan

Pasadena (USA) - In der dichten Atmosphäre des Saturnmonds Titan können durch Strahlung Moleküle entstehen, die auf der Erde als wichtige Bausteine des Lebens gelten. Das zeigen Experimente, über die ein Forscherteam jetzt auf einer Fachtagung der American Astronomical Society in Pasadena berichtete. Bei der Bestrahlung eines Gasgemisches, das in seiner Zusammensetzung der Titanatmosphäre entsprach, waren Tausende unterschiedlicher organischer Moleküle entstanden, darunter die Aminosäuren Glycin und Alanin sowie die Nukleinbasen Adenin, Guanin, Cytosin, Thymin und Uracil. Nukleinbasen sind wichtige Bausteine der Erbsubstanzen DNA und RNA.

"Unser Team ist das erste, dem so etwas in einer Atmosphäre ohne Wasser gelungen ist", betont Sarah Hörst von der University of Arizona, eine der beteiligten Forscherinnen. "Die Experimente zeigen, dass sehr komplexe Moleküle in den Außenschichten einer Atmosphäre entstehen können." Die Atmosphäre des größten Saturnmondes - den die Planetenforscher aufgrund der Zusammensetzung seiner Atmosphäre häufig mit der jungen Erde vergleichen - könnte deshalb ein Reservoir präbiotischer Moleküle sein. Zudem, so Hörst und ihre Kollegen, werfe das Experiment auch ein neues Licht auf die Entstehung des Lebens auf der Erde: Die Bausteine des Lebens müssen nicht, wie bislang vermutet, in einer "Ursuppe" entstanden sein, sondern könnten sich auch in der Atmosphäre gebildet haben und dann auf die Oberfläche abgeregnet sein.

Mit seiner dichten, überwiegend aus Stickstoff und Methan bestehenden Atmosphäre ist Titan der erdähnlichste Himmelskörper im Sonnensystem. Ähnlich wie auf der Erde gibt es auf Titan einen Flüssigkeitskreislauf mit Wolken, Niederschlägen, Flüssen und Seen - allerdings nicht auf der Basis von Wasser, sondern von flüssigem Methan. Die Wissenschaftler erhoffen sich aus der Erforschung des Saturnmonds neue Erkenntnisse über die präbiotische Chemie, die zur Entstehung des irdischen Lebens geführt hat. Trotz der reichhaltig vorhandenen organischen Stoffe halten die Forscher es angesichts von eisigen Temperaturen um minus 180 Grad Celsius auf der Oberfläche allerdings für unwahrscheinlich, dass auf Titan Leben existiert.