Jupiters Großer Roter Fleck: Kühler Sturm mit warmem Kern

Infrarot-Beobachtungen zeigen erstmals die thermische Struktur im größten Wirbelsturm des Sonnensystems

Großer Roter Fleck
Großer Roter Fleck

Pasadena (USA)/Oxford (Großbritannien) - Der Große Rote Fleck auf dem Planeten Jupiter ist ein kühler Wirbelsturm mit einem warmen Kern. Das zeigen kombinierte Beobachtungen mit mehreren Großteleskopen, die ein internationales Forscherteam demnächst im Fachblatt "Icarus" vorstellt. Im Zentrum des gewaltigen Zyklons steigt warmes Gas auf, während am Rand des Sturms kühles Gas in tiefere Atmosphärenschichten absinkt.

"Damit wissen wir erstmalig, dass es einen engen Zusammenhang zwischen den Umweltbedingungen - Temperatur, Windgeschwindigkeit, Druck und Zusammensetzung - und der Farbe des Großen Roten Flecks gibt", erläutert Leigh Fletcher von der University of Oxford, einer der beteiligten Wissenschaftler. "Zwar wissen wir immer noch nicht, welche chemischen Stoffe für die rote Farbe verantwortlich sind, aber wir wissen nun, dass die Farbe mit Änderungen der Umweltbedingungen im Herzen des Sturms zusammenhängt."

Der Große Rote Fleck ist der größte und langlebigste Wirbelsturm im Sonnensystem. Mit einer Länge von 24.000 Kilometern und einer Breite von 13.000 Kilometern ist er größer als die Erde. Möglicherweise wurde der Große Rote Fleck bereits im 17. Jahrhundert von dem italienisch-französischen Forscher Giovanni Domenico Cassini beobachtet. Seine Farbe ändert sich im Laufe der Jahre - mal ist er tiefrot, mal nur schwach rötlich, zeitweilig verliert er seine Farbe sogar völlig und ist nur noch als heller Fleck in dem umgebenden Wolkenband sichtbar.

Die Beobachtungen von Fletcher und seinen Kollegen unter anderem mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile und der Infrared Telescope Facility der Nasa auf Hawaii zeigen nun, dass das stärkste Rot des Flecks mit einem warmen Kern im ansonsten kühlen Sturm korrespondiert. Der zentrale Bereich des Großen Roten Flecks ist drei bis vier Grad wärmer als die Umgebung, deren Temperatur mit minus 160 Grad Celsius niedriger ist als die Durchschnittstemperatur der Jupiteratmosphäre. Diese Temperaturunterschiede treiben, so die Forscher, die Zirkulation des Sturms an - und sie transportieren offenbar chemische Stoffe nach oben, die für die auffällige rote Farbe des Wirbelsturms sorgen.