Flackernde Sternexplosionen

Satelliteninstrument beobachtet Materieauswürfe der Sonne - und stößt dabei auf explodierende Sterne

So entsteht eine Nova
So entsteht eine Nova

Liverpool (Großbritannien)/San Diego (USA) - Das Licht explodierender Sterne, so genannter Novae, flackert stärker als bislang vermutet. Das zeigen Messungen mit einem Satelliteninstrument, das eigentlich der Beobachtung von koronalen Masseauswürfen der Sonne dient. Auf Grund seiner hohen zeitlichen Auflösung - es vermisst alle 102 Minuten den gesamten Himmel - erweist sich das Gerät zusätzlich als besonders geeignet zur Erforschung der Sternexplosionen, berichtet ein amerikanisch-britisches Astronomenteam im Fachblatt "Astrophysical Journal". Die nun entdeckten schnellen Veränderungen in den Lichtkurven der Novae müssten zu einer Überarbeitung der theoretischen Modelle führen.

"Auch heute noch werden die meisten Novae von Amateurastronomen entdeckt", erklärt Rebekah Hounsell von der Liverpool John Moores University, die an den Beobachtungen beteiligt war. Und zumeist spüren die Hobby-Beobachter die "neuen Sterne" erst auf, wenn ihre Helligkeit bereits das Maximum überschritten hat. Doch dank der hohen zeitlichen Auflösung und der nahezu kompletten Abdeckung des Himmels des "Solar Mass Ejection Imagers" (SMEI) an Bord des 2003 gestarteten Coriolis-Satelliten konnten Hounsell und ihre Kollegen nun die Lichtkurven von mehreren Novae auch vor ihrem Maximum vermessen.

Novae sind Weiße Zwergsterne, die mit einem Roten Riesenstern ein Doppelsystem bilden. Sie saugen Wasserstoff von dem Riesenstern ab, der sich auf ihrer Oberfläche ansammelt, bis es bei Erreichen einer kritischen Masse zu einer thermonuklearen Explosion - eben der Nova - kommt. Bei dieser Explosion stoßen die Sterne einen Teil ihrer Materie ins Weltall ab.

Die Beobachtungen von Hounsell und ihren Kollegen zeigen bei drei der vier gefundenen Novae, dass es vor dem Maximum zu einem zeitweisen Stillstand der Helligkeitsentwicklung kommt. Über einen solchen "Prä-Maximum-Stillstand" haben Astronomen auch früher schon sporadisch berichtet, bislang galt er jedoch als Ausnahmeerscheinung. Die Messungen des Coriolis-Satelliten deuten nun darauf hin, dass dieses Phänomen eher die Norm bei Novae ist. Zudem zeigen die Messungen, dass die Helligkeit der Novae wesentlich stärker variiert als bislang gedacht. Eine der Novae zeigte sogar zwei ausgeprägte sekundäre Maxima nach dem eigentlichen Ausbruch. Das Team hofft nun, mit SMEI jedes Jahr rund fünf Novae zu entdecken und damit ein neues Fenster zur Erforschung der explodierenden Sterne aufzustoßen.