Exoplanet besitzt gegenläufige Umlaufbahn

Forscher finden Hinweise auf einen extrasolaren Planeten, der sich verkehrt herum durch ein Doppelsternsystem bewegt

Arlington (USA) - Langjährige Beobachtungen im Doppelsternsystem Ny Octantis zeigen eine verräterische Bewegung des Sterns, die auf die Existenz eines Planeten mit der zweifachen Jupitermasse hindeutet. Das Problem: Die Bahn des hypothetischen Planeten wäre in dem Doppelsternsystem hochgradig instabil. Zwei amerikanische Astronomen präsentieren im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters" nun eine Lösung für das Rätsel. Der Planet könnte sich demnach retrograd, also gegen die Umlaufrichtung der Sterne, in dem System bewegen. Die verkehrte Umlaufrichtung könnte das Überleben des Planeten sichern: Die Computersimulationen der Wissenschaftler zeigen, dass eine solche gegenläufige Umlaufbahn langfristig stabil sein kann.

"Unsere Simulationen haben zunächst bestätigt, dass ein prograder Umlauf - also in gleicher Richtung wie die Bewegung der beiden Sterne - für den Planeten praktisch unmöglich ist", schreiben Manfred Cuntz und Jason Eberle von der University of Texas in Arlington. Im Gegensatz dazu sei ein retrograder Orbit aber "eine realistische Möglichkeit" und "konsistent mit langfristiger Stabilität". Die Forscher hoffen nun, dass weitere Beobachtungen die Existenz des Planeten bestätigen, denn "es wäre das erste Beispiel für einen Planeten auf retrograder Umlaufbahn in einem Doppelsternsystem."

Das Ergebnis von Cuntz und Eberle könnte sich als äußerst wichtig für die Erforschung von Planeten bei anderen Sternen erweisen. Denn 60 Prozent aller Sterne sind im Gegensatz zur Sonne keine Einzelgänger, sondern bilden Doppel- oder Mehrfachsysteme. Bislang gingen Astronomen davon aus, dass es in solchen Systemen in weiten Bereichen keine stabilen Umlaufbahnen geben könne, weil die Anziehungskräfte der Sterne sich dort gegenseitig stören.

In unserem Sonnensystem gibt es mehrere Monde, die ihre Planeten gegenläufig umrunden. Auch einige Exoplaneten bei Einzelsternen zeigen Umlaufbahnen entgegen der Eigendrehung ihres Sterns. Die Ursache für solche retrograden Bewegungen liegt vermutlich in der Entwicklungsgeschichte der jeweiligen Systeme. Beinahezusammenstöße mit anderen großen Objekten können die ursprünglichen Bahnen so stark ändern, dass die Bahnneigungen sich um 180 Grad drehen und die Planeten oder Monde sich schließlich entgegen der ursprünglichen Richtung bewegen.