Versteckte Sternexplosion

Astronomen entdecken die Radiostrahlung einer Supernova in der nahen Galaxie M82 - doch das Licht der Sternexplosion ist hinter dichten Gas- und Staubwolken verborgen

Supernova in M82
Supernova in M82

Bonn - 12 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, in der Galaxie M82, ist ein Stern explodiert - und niemand hat es gesehen. Ein internationales Team von Astronomen ist jetzt bei Radiobeobachtungen des Sternsystems auf die Spuren der Supernova gestoßen. Seit einem Vierteljahrhundert warten die Forscher bereits darauf, eine Supernova in M82 "live" zu beobachten. Doch diese - und möglicherweise auch weitere - Sternexplosionen verbergen sich hinter dichten Gas- und Staubwolken, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Astronomy and Astrophysics".

Am 8. April mit dem Very Large Array (VLA) in New Mexico, einer aus 27 Antennen bestehenden Radioteleskop-Anlage, aufgenommenen Bilder zeigen eine ringförmige Struktur im Zentralbereich von M82, die sich mit 40 Millionen Stundenkilometern ausbreitet. "Durch die Rückrechnung dieser Expansion können wir den Zeitpunkt der Supernova-Explosion bestimmen", erklärt Andreas Brunthaler vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. "Unsere Daten zeigen, dass der Stern Ende Januar oder Anfang Februar 2008 explodiert sein muss."

Der Forscher hat sofort nach dieser Entdeckung Radiodaten vom März und Mai vorigen Jahres überprüft. "Und da war die Supernova auch, sogar heller als der ganze Rest der Galaxie." Im Gegensatz dazu zeigen jedoch weder optische, noch Beobachtungen im ultravioletten Bereich im Jahr 2008 irgendwelche Anzeichen der Sternexplosion. Die Supernova ereignete sich offenbar hinter dichten Gas- und Staubwolken, die nur von Radiowellen durchdrungen werden können.

Die Galaxie M82 ist kleiner und masseärmer als die Milchstraße, zeigt aber eine geradezu explosionsartige Entstehung neuer Sterne in einer nur einigen Hundert Lichtjahren großen Region in ihrem Zentralbereich. In dieser Sternfabrik entstehen mehr Sterne als in unserer gesamten Milchstraße. Dadurch gibt es in dieser "Starburst"-Region auch mehr Sternexplosionen, da sich massereiche Sterne sehr schnell entwickeln und schon nach wenigen Millionen Jahren als Supernova vergehen. Radiobilder zeigen tatsächlich eine große Anzahl früherer Supernova-Ereignisse im Zentralbereich von M82. Eine weitere Supernova-Explosion in dem Sternsystem war längst überfällig.