Überraschend normal: Sternhaufen im Zentrum der Milchstraße

Der Arches-Haufen steht in unmittelbarer Nähe zu einem supermassiven Schwarzen Loch - trotzdem unterscheidet er sich nicht von Sternhaufen in weniger aufregenden Umgebungen

Der Arches Cluster
Der Arches Cluster

Garching/Tucson (USA) - Der Arches-Haufen ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich: Er steht in der Nähe des supermassiven Schwarzen Lochs im Zentrum der Galaxis, er enthält zehnmal mehr Masse als typische junge Sternhaufen und er ist durch frühere Sternengenerationen mit schweren Elementen angereichert worden. Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte ESO zeigen nun, dass die Verteilung der Sterne im Arches-Haufen - im Gegensatz zu den Erwartungen der Astronomen - trotzdem jener in anderen Sternhaufen gleicht.

"Im Hinblick auf die extremen Bedingungen im Arches-Haufen haben wir erwartet, dass die Sterne dort anders entstehen als in unserer vergleichsweise ruhigen solaren Nachbarschaft", erklärt Pablo Espinoza vom Steward Observatory in Arizona. "Doch unsere Beobachtungen zeigen, dass die Massen der Sterne dort dem gleichen universellen Gesetz folgen wie in anderen Sternhaufen." Gemeinsam mit seinen Kollegen Fernando Selman and Jorge Melnick von der ESO hatte Espinoza den Arches-Haufen mit dem VLT im nahen Infrarot-Bereich beobachtet, um die so genannte Massenfunktion, also die Häufigkeitsverteilung der Sterne in Abhängigkeit von ihrer Masse, zu bestimmen. Die Forscher berichten demnächst im Fachblatt " Astronomy and Astrophysics" über die Ergebnisse ihrer Messungen.

Die Beobachtungen zeigen, dass Arches der dichteste bekannte Haufen aus jungen Sternen ist: Innerhalb eines Durchmessers von nur rund drei Lichtjahren enthält er über 15.000 Sterne - die Sterndichte ist damit millionenfach größer als in der Umgebung der Sonne. Die Häufigkeit der Sterne sinkt dabei - wie bei anderen Sternhaufen auch - mit zunehmender Masse. Der Arches-Haufen ist weniger als 2,5 Millionen Jahre alt und seine massereichsten Sterne enthalten etwa die 120-fache Masse der Sonne. "Wir schließen daraus, dass Sterne mit noch größeren Massen nach weniger als 2,5 Millionen Jahren als Supernova vergehen", so Fernando Selman.