Stern mit Flecken

"Planeten-Lupe" erlaubt detaillierten Blick auf die Oberfläche eines Sterns

Planeten-Lupe
Planeten-Lupe

Hamburg - Auf der Oberfläche eines rund 300 Lichtjahre entfernten Sterns gibt es dunkle Flecken ganz ähnlich wie auf unserer Sonne. Das zeigen Beobachtungen deutscher Astronomen mit dem Satellitenteleskop Corot. Der hoch auflösende Blick auf die Oberfläche des Sterns ist nur möglich, weil er von einem Planeten umkreist wird, berichten die Forscher in einem demnächst im Fachblatt "Astronomy and Astrophysics" erscheinenden Artikel.

"Die Idee unserer Beobachtungen ist neu", erklärt Uwe Wolter von der Hamburger Sternwarte, der das Team leitet. "Wir nutzen für die Untersuchung der Sternoberfläche aus, dass der Stern von einem Planeten umkreist wird. Von der Erde aus gesehen zieht dieser Planet etwa alle zwei Tage vor seinem Zentralstern vorüber und verdunkelt ihn dabei ein wenig." Der Planet ist etwa eineinhalb Mal so groß wie der Jupiter, während sein Zentralstern etwa so groß ist wie die Sonne.

Das im Dezember 2006 gestartete französisch-europäische Satellitenteleskop Corot dient hauptsächlich der Suche nach Planeten bei anderen Sternen. Wolter und seine Kollegen von der Hamburger Sternwarte und der Thüringer Landessternwarte Tautenburg konnten mit Corot das durch die Verdunklungen fehlende Licht viel genauer als durch irdische Beobachtungen analysieren. Da sehr genau bekannt ist, welche Teile des Sterns der Planet jeweils bedeckt, lassen sich mit diesem Trick die Oberflächenstrukturen auf dem Stern mit hoher Auflösung untersuchen. Der Planet dient also gleichsam als "Lupe", mit der die Forscher feine Strukturen auf der Sternoberfläche abtasten.

Mit den nun aufgespürten Flecken ähnelt der Stern mit der Katalognummer Corot-2a zwar unserer Sonne, doch mit einem Alter von vermutlich wenigen hundert Millionen Jahren ist er für einen Stern noch sehr jung. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist etwa 4,5 Milliarden Jahre alt. Außerdem umkreist der untersuchte Planet den Stern auf einer engen Umlaufbahn in weniger als einem Zehntel des Abstands Erde-Sonne. Der Planet sei also zu jung und zu heiß für die Entwicklung von Leben, so die Forscher.