Saturnmond Enceladus: Hinweise auf verborgenen Ozean

Die Kryovulkane des Saturnmonds stoßen salzhaltige Eispartikel aus - wahrscheinlich sind es gefrorene Meerwassertröpfchen

Eisfontänen auf Enceladus
Eisfontänen auf Enceladus

Heidelberg/Göttingen - Unter der Eiskruste des kleinen Saturnmonds Enceladus muss es einen Ozean geben, der mit Felsgestein in Kontakt steht. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam auf Basis von Messungen der amerikanischen Raumsonde Cassini und Laborexperimenten am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Die Wissenschaftler konnten in den Fontänen der Kryovulkane am Südpol von Enceladus Salze nachweisen, die ihren Ursprung nur in einem Reservoir aus flüssigem Salzwasser haben können.

"Frühere Ergebnisse deuteten bereits auf Wasser hin, das aber inzwischen gefroren sein könnte", sagt Frank Postberg vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg, einer der beteiligten Forscher. "Doch die nun gefundenen Natriumsalze beweisen, dass flüssiges Wasser auf Enceladus vorhanden sein muss." Denn beim langsamen Gefrieren von Meerwasser bleibt das Salz - im Gegensatz zu vielen organischen Verbindungen und Silikat - im Wasser, und das Eis ist praktisch salzfrei. Die Tröpfchen müssen also beim Ausstoß aus dem Saturnmond plötzlich gefroren sein.

Mit einem Durchmesser von etwa 500 Kilometern zählt Enceladus zu den kleineren Trabanten des Saturn. Doch der kleine Mond ist überraschend aktiv und stößt an seinem Südpol mehrere Fontänen aus Eispartikeln aus, die mehrere hundert Kilometer ins All reichen. Im März 2008 flog Cassini durch diese Fontänen hindurch und konnte dabei mit ihren Instrumenten die Zusammensetzung der Eispartikel untersuchen.

In Laborexperimenten konnten die Forscher nun auch die Zusammensetzung der Natriumverbindungen in den Eispartikeln rekonstruieren. Bei einem Anteil von jeweils einem Prozent Natriumchlorid und Natriumcarbonat in dem Salzwasser stimmen die Ergebnisse der Experimente am besten mit den Cassini-Messungen überein. "Vermutlich versprühen aufsteigende Gasblasen unter einem Vulkanschlot Salzwassertröpfchen, die gefrieren, während sie durch einen Kanal an die Oberfläche transportiert werden", sagt Postberg.