Radiorauschen verwirrt Astronomen

Forscher finden im Bereich der Zentimeterwellen sechsmal mehr Strahlung als erwartet - kommt sie von den Überresten der allerersten Sternengeneration?

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Long Beach (USA) - In einem bislang wenig erforschten Bereich des Strahlungsspektrums - den Zentimeterwellen - kommt sechsmal mehr Strahlung aus den Tiefen des Kosmos zur Erde, als die Astronomen erwartet haben. Das zeigen Messungen mit einem Ballonexperiment aus dem Jahr 2006, deren Auswertung ein Forscherteam jetzt auf der Fachtagung der American Astronomical Society im kalifornischen Long Beach präsentiert hat. Über ein Jahr lang hatten die Wissenschaftler zuvor nach einer einfachen Erklärung für das mysteriöse Radiorauschen gesucht - ohne Erfolg.

Alan Kogut vom Goddard Space Flight Center der NASA und sein Team hatten eigentlich gehofft, Strahlung zu empfangen, die rund eine Milliarde Jahre nach dem Urknall bei der Entstehung der ersten Sterne im Kosmos freigesetzt wurde. "Doch statt des erwarteten schwachen Signals fanden wir ein starkes Rauschen, sechsmal lauter als alles, was wir vorhergesagt hatten", so Kogut.

Die Messungen stammen von ARCADE, einem Bündel von sieben Radioempfängern, die im Juli 2006 mit einem Ballon in eine Höhe von 35 Kilometern über Texas getragen wurden. Erst von dort, außerhalb der dichten Atmosphäre am Rand des Weltalls, ist es möglich, im Zentimeterbereich störungsfrei zu messen. Nach Abzug aller bekannten Radioquellen etwa in der Milchstraße blieb immer noch ein unerklärlich lautes Rauschen zurück.

Das Spektrum dieses Rauschens zeigt zwar Ähnlichkeiten mit Strahlung von so genannten Radiogalaxien. Doch um die Stärke des Signals zu erklären, müsste der Kosmos dicht an dicht mit Radiogalaxien gepflastert sein, so Kogut. Der Astronom und seine Kollegen schlagen als mögliche Erklärung vor, dass es sich um die Strahlung von Schwarzen Löchern handeln könnte, die aus der allerersten Generation von Sternen entstanden sind. "Aber das ist nur eine Spekulation", gesteht Kogut, "bislang gibt es keine Berechnungen, die diese These unterstützen."