Pulsar-Jagd mit dem PC

Weltweites Netz von Privatcomputern soll neben Gravitationswellen Neutronensterne in Doppelsystemen aufspüren helfen

Milwaukee (USA)/Hannover - Eigentlich suchen sie nach Gravitationswellen: die 200.000 PCs, die Computernutzer in aller Welt für das Projekt Einstein@home zur Verfügung stellen. Jetzt erhalten sie noch eine zweite Aufgabe. In Daten des größten Radioteleskops der Welt, der 300 Meter großen Arecibo-Antenne, sollen die Computer nach Signalen von Neutronensternen in Doppelsystemen suchen. Solche Systeme könnten den Forschern unter anderem dabei helfen, die Allgemeine Relativitätstheorie Einsteins zu überprüfen.

Das 2005 gestartete Projekt Einstein@home dient der Suche nach Gravitationswellen in Daten der Detektoranlagen Ligo in den USA und Geo600 in Deutschland. Die Daten werden dabei in kleine Pakete aufgeteilt, an die beteiligten PCs verschickt und dort immer dann ausgewertet, wenn der Nutzer selbst den Rechner nicht in Anspruch nimmt. Die Ergebnisse der Datenauswertung gehen dann schließlich wieder zurück an die beteiligten Forschungsinstitute. 1999 startete mit SETI@home - einer Suche nach Signalen außerirdischer Intelligenzen - das erste auf dieser Strategie des verteilten Rechnens beruhende Vorhaben, inzwischen gibt es zahlreiche derartige Projekte.

"Das langfristige Ziel von Einstein@home ist natürlich auch weiterhin die Entdeckung von Gravitationswellen", erklärt Bruce Allen, der Leiter des Projekts. "Doch kurzfristig hoffen wir nun auch, mehrere Pulsare pro Jahr aufzuspüren." Pulsare sind schnell rotierende Neutronensterne - extrem kompakte Sternenleichen -, die regelmäßige Strahlungsblitze aussenden. Einstein@home sucht nach Pulsaren, die um einen weiteren Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch kreisen.

Mit herkömmlichen Suchverfahren ist es schwierig, solche Doppelsysteme mit Umlaufzeiten unterhalb von 50 Minuten aufzuspüren. Einstein@home dagegen sollte in der Lage sein, in den Arecibo-Daten auch Systeme mit Umlaufzeiten bis hinunter zu 11 Minuten zu finden. Doppelsysteme mit kurzen Umlaufzeiten sind für die Astronomen besonders interessant. Denn sie ermöglichen es den Wissenschaftlern, Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie zu überprüfen und, so die Hoffnung, Aufschluss über die Häufigkeit von Zusammenstößen von Neutronensternen zu erhalten.