Neues europäisches Weltraumteleskop Herschel liefert erstes Bild

Herschel übertrifft die Erwartungen - obwohl das Infrarot-Teleskop noch nicht vollständig kalibriert ist

M51
M51

Köln/Paris (Frankreich) - Noch hat das neue europäische Weltraumteleskop Herschel seinen 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt gelegenen Bestimmungsort nicht erreicht. Doch in der vergangenen Woche funkte es bereits seine ersten Aufnahmen zur Erde. Die Bilder zeigen die 35 Millionen Lichtjahre entfernte Spiralgalaxie M51 bei mehreren Wellenlängen im Infrarotbereich. Die Fotos sind deutlich detailreicher als frühere Infrarot-Aufnahmen des amerikanischen Satelliten-Teleskops Spitzer.

Die Qualität der Bilder übertreffe schon jetzt die Erwartungen, so die Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, obwohl in dieser frühen Phase noch nicht alle Einstellungen des Teleskops vollständig kalibriert seien. Herschel war am 14. Mai gemeinsam mit Planck, einem Spezial-Teleskop zur Vermessung der kosmischen Hintergrundstrahlung, vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana aus ins All gestartet. Seither befinden sich beide Geräte auf dem Flug zum so genannten Lagrange-Punkt 2, der sich in Gegenrichtung zur Sonne 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt befindet. Die Observatorien sollen ihren Bestimmungsort Mitte Juli erreichen. Dort heben sich die Anziehungskräfte von Sonne und Erde einerseits und die Fliehkraft der Bahnbewegung gerade so gegenseitig auf, dass die Weltraumteleskope praktisch antriebslos gemeinsam mit der Erde um die Sonne kreisen können.

Herschel ist das erste Weltraumteleskop, das den Infrarotbereich vollständig abdeckt. Es eröffnet den Astronomen damit auch Einblicke in bislang unbeobachtete Wellenlängenbereiche. "Beobachtungen im Infrarot-Bereich liefern uns einen Einblick in die Entstehung von Sternen und Galaxien", erläutert Göran Pilbratt, Esa-Projektwissenschaftler für die Herschel-Mission. "Denn solche Entstehungsprozesse laufen zumeist in kühlen, staubigen Regionen ab." Kühle Gase senden vor allem langwellige Infrarot-Strahlung aus - und im Gegensatz zu normalem Licht kann Infrarot-Strahlung Staubwolken nahezu ungehindert durchdringen.

Die Erdatmosphäre ist allerdings im Infrarot-Bereich nahezu undurchlässig: Wasserdampf absorbiert die Strahlung fast vollständig. Schlimmer noch, Wasserdampf sendet selbst wiederum Infrarot-Strahlung aus und verschleiert so den Blick ins All. Deshalb müssen die Astronomen Herschel im Weltall stationieren und nahezu auf den absoluten Nullpunkt abkühlen, damit die Eigenstrahlung des Teleskops die Beobachtungen nicht stört. Als Kühlmittel hat Herschel flüssiges Helium an Bord, das für mindestens drei Jahre reichen soll. Mit einem Spiegeldurchmesser von 3,5 Metern ist Herschel das größte Weltraumteleskop, das bislang gestartet wurde.