Neue Ergebnisse zur Dunklen Strömung - „Multiversum“ eine mögliche Erklärung

Astronomen finden bisher stärkste Hinweise auf ein „Multiversum“. Dunkle Strömung scheint über den Rand des kosmischen Horizonts zu reichen.

Greenbelt (USA) - Astronomen um Alexander Kashlinsky vom Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt, Maryland (USA) haben neue Daten gesammelt, die die Theorie eines „Multiversums“ stärker stützen als bisherige Messungen das konnten. Demnach könnten Paralleluniversen für die mysteriösen Dunkle Strömung verantwortlich sein, die das Forscherteam gefunden hat.

Diese Strömung äußert sich in Form von spektralen Verschiebungen in der kosmischen Hintergrundstrahlung (siehe Nachricht "Die Dunkle Strömung der Galaxienhaufen" in der Linkliste). Diese Verschiebungen deuten darauf hin, dass sich alle Galaxien mit einer unerwartet hohen Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometern pro Sekunde in ein und die selbe Richtung bewegen, zusätzlich zu der ohnehin vorhandenen Expansion des Universums.

Neue Erkenntnisse erweitern die Messungen der Gruppe nun auf einen Radius von 3 Milliarden Lichtjahren. Die neuen Ergebnisse wurden in einem Artikel an die Fachzeitschrift „The Astropyhsical Journal“ übermittelt.

Die entscheidende Frage ist die nach der Herkunft dieses unerwarteten Soges. Eine Multiversumstheorie in der Paralleluniversen eine Rolle spielen, vermag diese Frage zu beantworten. Einige Theorien des frühen Universums beinhalten solche vielfachen Universen, die, ähnlich wie verschränkte Objekte in der Quantentheorie, in ihrem Verhalten miteinander gekoppelt sind. Die umstrittenen Theorien besagen, dass diese Paralleluniversen, obwohl für uns ansonsten nicht wahrnehmbar, eine Kraft auf unser Universum ausüben können, die die Dunkle Strömung erklärt. So könnte Materie außerhalb unseres kosmischen Horizonts, der durch das Licht, das wir aus dem Weltall empfangen begrenzt wird, gravitative Anziehung auf unser Universum ausüben.

„Falls sich die Strömung, wie unsere Daten es andeuten, bis zum kosmischen Horizont erstreckt, dann hängt ihr Ursprung wahrscheinlich mit der vorinflationären Gesamtstruktur der Raum-Zeit zusammen und deutet auf ein irgendwie geartetes Multiversum hin“, so Kashlinksky. „Wir führen das Projekt fort und erwarten, dass unsere zukünftigen Messungen diese Möglichkeit wesentlich deutlicher beleuchten“.

Laut Laura Mersini-Houghton, Kosmologin an der University of North Carolina in Chapel Hill (USA) und Fürsprecherin einer Multiversums-Theorie, sind Kashlinkskys Entdeckungen „die direktesten Anzeichen für die Existenz des Multiversums“. Mersini-Houghton betont, dass die Theorie der Paralleluniversen eine Dunkle Strömung voraussagt, und dass sogar deren Geschwindigkeit nahezu mit der die Kashlinskys Team gemessenen hat übereinstimmt.

Es sei zum Schluss betont, dass die Dunkle Strömung keineswegs einen Beweis für Multiversen darstellt. Zwar ist dieses Phänomen für die klassischen Kosmologen und deren Theorien, wie die Allgemeine Relativitätstheorie, bisher unverständlich. Klar ist aber auch, dass zum Beweis einer der zahlreichen Multiversums-Theorien mehr als nur ein einzelner Hinweis durch ein erst kürzlich entdecktes Phänomen nötig ist.