Mysteriöser Teilchenfluss kein Signal für Dunkle Materie

Astronomen identifizieren Supernovaexplosion in der Milchstraße als Quelle der ungewöhnlichen Teilchenstrahlung

Bonn/Göteborg (Schweden) - Astronomen entdeckten kürzlich einen unerwarteten Strom von hochenergetischen Elektronen und Positronen. Dieser unerwartete Bestandteil der sogenannten kosmischen Strahlung wurde zunächst als Hinweis auf den Zerfall von bisher unbekannten Elementarteilchen gedeutet, die die Dunkle Materie bilden könnten (Welt der Physik berichtete).

Doch neue Analysen eines internationalen Forscherteams unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn, veröffentlicht im Fachjournal "Physical Review Letters", zeigen nun, dass der Teilchenstrom von einer Supernovaexplosion in der Milchstraße herrührt. Der Vorgängerstern, der zu diesem Ereignis geführt hat, war etwa 15 mal massereicher als unsere Sonne.

Die Entstehung des Teilchenstroms stellen sich die Forscher so vor: Schon vor der Supernovaexplosion gibt der Stern am Ende seiner Lebenszeit große Mengen seines Materials in Form eines kräftigen, magnetischen Sternenwindes ab. Wenn es dann zur Supernovaexplosion kommt, dann beschleunigt die dabei entstehende Stoßwelle, die mit einem Überschallknall vergleichbar ist, die Elektronen und Positronen, aus denen der Sternenwind besteht. Nach Analysen der Forscher ist der erstaunliche Teilchenstrom das Resultat einer solchen Beschleunigung durch die Stoßwelle der Supernovaexplosion.

Mit dieser relativ einfachen erklärung werden frühere Spekulationen, hier ein Signal der lange gesuchten Dunklen Materie zu finden, zunichte gemacht. Julia Becker, an der Studie beteiligte Physikerin an den Universitäten Göteborg und Bochum, kommentiert süffisant: "Ich fürchte, die Wissenschaftler müssen eine andere Methode zur Identifikation der Dunklen Materie finden."