Methansee auf Titan, aber ohne Wellen

Weiteres Indiz für flüssige Seen auf dem Saturnmond - nur wo sind die Wellen?

See auf Titan
See auf Titan

Stanford (USA) - Radarbilder der amerikanischen Sonde Cassini zeigen an den Polen des größten Saturnmondes Titan zahlreiche dunkle Flecken. Seit langem vermuten die Planetenforscher, dass es sich bei diesen Flecken um Seen aus flüssigen Kohlenwasserstoffen, vor allem aus Methan, handelt. Jetzt veröffentlichte Messungen von einem Vorbeiflug der Sonde an Titan im Dezember vergangenen Jahres zeigen, dass die Oberfläche des größten Sees spiegelglatt ist: Etwaige Unebenheiten müssen kleiner als drei Millimeter sein, um die Stärke des Radarechos zu erklären. Das bestätige, dass es sich tatsächlich um eine flüssige Oberfläche handeln müsse, so die Forscher, die im Fachblatt "Geophysical Research Letters" über die Messungen berichten.

"Es ist schwer vorstellbar, dass eine feste Oberfläche derart glatt ist", erklärt Lauren Wye von der Stanford University, eine der beteiligten Wissenschaftlerinnen. Denn sowohl beim Überfrieren als auch beim Austrocknen bilden sich stets Spannungsrisse und Verwerfungen. Allerdings ist die Oberfläche des Sees auf Titan den Forschern nun schon wieder fast zu glatt: Es müsse zu Zeitpunkt der Messungen völlige Windstille geherrscht haben.

Denn Computersimulationen deuten eigentlich darauf hin, dass Wellen unter den Bedingungen auf dem Saturnmond erheblich höher sein müssten als auf der Erde. Der Lacus Ontario getaufte See in der Nähe des Südpols von Titan ist 235 Kilometer groß - schwer vorstellbar, dass es auf einem derart großen See keinerlei Wellen gibt. Vielleicht ist die Flüssigkeit in dem See sehr zäh und wirft deshalb keine großen Wellen, spekulieren die Forscher. Wie sich ein Gemisch aus flüssigen Kohlenwasserstoffen unter den klimatischen Bedingungen auf Titan genau verhält, ist bislang nicht genau bekannt. Außerdem weisen Wye und ihre Kollegen darauf hin, dass auf der Südhalbkugel von Titan gerade der Herbst anbricht, und in dieser Zeit gäbe es dort am wenigsten Wind. Endgültige Klarheit kann jedoch nur eine direkte Untersuchung vor Ort bringen - die Wissenschaftler hoffen deshalb, dass eine künftige Raumsonde direkt auf einem der Seen niedergeht.