Methanregen auf Titan

Dunkle Flecken an den Polen des Saturnmonds verändern sich - vermutlich handelt es sich um Seen aus flüssigen Kohlenwasserstoffen, die sich durch Regen füllen

Saturmond Titan
Saturmond Titan

Laurel (USA) - Radarbilder der amerikanisch-europäischen Raumsonde Cassini zeigen an den Polen des größten Saturnmondes Titan zahlreiche dunkle Flecken. Seit langem vermuten die Planetenforscher, dass es sich bei diesen Flecken um Seen aus flüssigen Kohlenwasserstoffen, vor allem aus Methan, handelt. Jetzt im Fachblatt "Geophysical Research Letters" veröffentlichte Daten bestätigen diese These. Denn die Radarbilder zeigen unter anderem, dass sich im Verlauf von einem Jahr am Südpol neue Flecken gebildet haben. Da die südpolare Region in dem betreffenden Jahr von dichten Wolken verhüllt war, führen die Wissenschaftler die Veränderungen auf Methanregen zurück, der die Seen gefüllt hat.

"Die Beobachtungen zeigen, dass auf Titan dynamische Prozesse am Werk sind und dass es an den Polen Reservoire aus flüssigen Kohlenwasserstoffen gibt", schreiben Elizabeth Turtle von der Johns Hopkins University im US-Bundesstaat Maryland und ihre Kollegen. "Die Ausdehnung dieser Reservoire ist an beiden Polen unterschiedlich und hängt von jahreszeitlichen Veränderungen ab."

Titan ist der einzige Mond im Sonnensystem mit einer dichten Atmosphäre. "Es ist allerdings eine offene Frage, wie lange diese Atmosphäre schon existiert und wie lange es sie noch geben wird", erklärt Turtle, "denn es gibt nicht genug flüssiges Methan auf der Oberfläche von Titan, um durch Verdampfung die Atmosphäre über geologische Zeitskalen hinweg zu erhalten." Die Forscher vermuten deshalb, dass es zusätzlich zu den Seen Methan-Reservoire unter der Oberfläche des Saturnmondes gibt.

Eine weitere offene Frage ist, warum es auf Titan nur Seen in den polaren Regionen, aber nicht in niedrigen Breiten gibt. Offenbar gibt es dort nur relativ kurze "Regenzeiten" im Frühjahr und im Herbst, die zur Bildung von Seen nicht ausreichen. Mit weiteren Beobachtungen mit den Cassini-Instrumenten wollen die Wissenschaftler die jahreszeitlichen Veränderungen auch in den äquatornahen Zonen untersuchen.