Gab es auf der Venus einst Kontinente und Ozeane?

Infrarotdaten deuten auf Hochländer aus Granit - und damit auf Plattentektonik auf einem ursprünglich wasserreichen Planeten

Unser Nachbarplanet im Sonnensystem: Venus
Unser Nachbarplanet im Sonnensystem: Venus

Pasadena (USA) - Die Venus besaß in ihrer Frühzeit möglicherweise Kontinente und Ozeane. Darauf deutet nach Ansicht eines internationalen Forscherteams die Infrarotstrahlung der Oberfläche hin, die die amerikanischen Sonde Galileo bereits 1990 auf dem inneren Nachbarplaneten der Erde gemessen hatte. Eine im Fachblatt "Journal of Geophysical Research" veröffentlichte Neuanalyse der Daten zeige, dass die Hochländer weniger Infrarotstrahlung aussenden als die Tiefebenen. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist dies ein Hinweis auf Granite - Gesteine, die sich nur unter dem Einfluss von Wasser bilden.

"Dies ist der erste direkte Hinweis darauf, dass die Venus in der Frühgeschichte des Sonnensystems ein lebensfreundlicher Planet mit viel Wasser war", kommentiert der an der Washington State University tätige deutsche Astrobiologe Dirk Schulze-Makuch in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" die neue Analyse. "Die Frage ist, wie lange die Venus lebensfreundlich geblieben ist."

"Der Nachweis der Infrarotstrahlung der Oberfläche ist ein Durchbruch", freut sich Kevin Baines vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena, der gemeinsam mit seinen Kollegen aus den USA, Portugal und Japan die Galileo-Daten analysiert hat. Denn heute liegt die Oberfläche der Venus unter einer dichten Wolkendecke verborgen. Ein Treibhauseffekt hat die Venus zu einer heißen und lebensfeindlichen Hölle gemacht. Die Anwesenheit von Graniten würde jedoch bedeuten, dass der Planet in seiner Frühzeit Kontinente und Ozeane, sowie eine Plattentektonik ganz ähnlich der Erde besaß.

Doch die Interpretation der Infrarotdaten ist nicht einfach, muss doch der Einfluss der dichten Venusatmosphäre berücksichtigt werden. Nicht alle Fachkollegen akzeptieren deshalb die weit reichenden Schlussfolgerungen von Baines und seinen Kollegen. Die Planetenforscher wollen ihr Verfahren deshalb nun auf die Daten der europäischen Sonde Venus Express anwenden und hoffen auf weitere Messungen des japanischen Venus Climate Orbiters, der im Jahr 2010 starten soll.