Bereit zum Einschlag: Sonde sucht nach Wasser am Mond-Südpol

Aufprall einer Raketenstufe soll Mondgestein bis zu zehn Kilometer hoch schleudern - Sonde durchfliegt Trümmerwolke

LCROSS-Mission
LCROSS-Mission

Moffett Field (USA) - Am kommenden Freitag um 13.31 Uhr MESZ schlägt eine Raketenstufe mit einer Geschwindigkeit von 9000 Kilometern pro Stunde in einem Krater am Südpol des Mondes ein. Die Forscher rechnen damit, dass der Einschlag 350 Tonnen Staub und Gestein aus dem Kraterboden heraus bis in eine Höhe von zehn Kilometern schleudert. Die Trümmerwolke wird nicht nur von der Erde aus beobachtet: In 600 Kilometern Abstand folgt der Raketenstufe die Sonde LCROSS. Rund vier Minuten lang kann das Raumfahrzeug mit seinen Instrumenten das ausgeworfene Material untersuchen - und, so die Hoffnung, Wasser nachweisen.

"An den Polen des Mondes steigt die Sonne nie höher als anderthalb Grad über den Horizont", erklärt Tony Colaprete vom Ames Research Center der Nasa. "Dadurch liegt der Boden vieler Krater dauerhaft im Schatten." Dort könnte sich, so die Hoffnung der Wissenschaftler, im Verlauf von Jahrmilliarden gefrorenes Wasser angesammelt haben. Hinweise auf Wasseransammlungen an den Mondpolen hatten bereits frühere Sonden geliefert. Und erst jüngst hatten Messungen einer japanischen Sonde gezeigt, dass es im Mondboden mehr Wasser gibt, als bislang vermutet.

Mit der LCROSS-Mission hoffen Colaprete und seine Kollegen nun erstmals auf einen direkten Nachweis von Wasser-Eis in den ewig verschatteten Kratern des lunaren Südpols. Am Freitagmorgen um 3.50 Uhr MESZ trennen sich die Sonde und ihre Antriebsstufe voneinander. LCROSS verzögert dann mit seinen Bremsraketen den Fall zum Mond, um für einen ausreichenden Abstand zwischen dem Aufprall der Raketenstufe und dem nachfolgenden Absturz der Sonde zu sorgen. Mit insgesamt fünf Kameras und vier Messinstrumenten soll LCROSS den Einschlag und das ausgeworfene Material untersuchen.

Außerdem wird der Einschlag von einer weiteren Mondsonde, vom Weltraumteleskop Hubble, mehreren Erdbeobachtungssatelliten und zahlreichen Teleskopen auf der Erde beobachtet. Die Forscher gehen davon aus, dass das Material hoch genug ausgeworfen wird, um aus dem ewigen Schatten des Kraters in das Sonnenlicht zu gelangen. Gefrorenes Wasser sollte dann schlagartig verdampfen und leicht spektroskopisch nachweisbar sein. "Einschläge wie dieser kommen auf dem Mond etwa einmal pro Woche vor", so Colaprete, "doch diesmal wissen wir im Voraus, wo der Einschlag stattfindet und können alle unsere Instrumente auf diesen Punkt richten."